Farbgenetik
Das mit den Farben bei unseren Hunden, das ist irgendwie so ein wenig zu meinem
Hobby geworden, aber keinesfalls möchte ich mir in irgendeiner Form etwas anmassen,
ich bin nur ein interessierter Laie.
Ich find´s halt faszinierend, dass die blaue Farbe, die uns
das Gefieder des Eisvogels zeigt,
keineswegs auf Pigmente zurückzuführen ist, sondern
auf die Brechung des Lichtes am Gefieder, die es uns so erscheinen lässt - oder dass die
Lippizaner schwarz zur Welt kommen und dann weiss werden und wohin die Farbe dann
"verschwindet"...?!
Ich setze schon voraus, dass sie die Mendel´schen Regeln noch ein wenig im
Hinterkopf haben, ansonsten schauen Sie doch bitte im Wörterbuch der Genetik nach
>>>, wenn
Ihnen hier einige Begriffe "spanisch" vorkommen.
Dass aber doch ein grosses Interesse
daran besteht, bestätigen mir die mir immer wieder gestellten Fragen nach braun-weissen
und grau-weissen Neufundländern und wie das geht, entsteht und wie man das vermeiden
kann.
Nun zuerst einmal eine persönliche Bemerkung: Nach Beendigung
der Farbenreinzucht im DNK e. V. (GV 1985) hat es bisher (Jan. 2005) nur einige wenige
Hunde gegeben, die grau-weiss bzw. braun-weiss waren (weniger als 10, soweit ich
weiss, eine unbedeutende Zahl innerhalb der Population in Deutschland, und jeder
von ihnen hat ein Zuhause gefunden). Vermehrt treten jedoch Graue auf, das liegt vor
allem an der Verpaarung mit US-Amerikanischen und Canadischen Linien.
In USA ist Grau zulässige Standardfarbe - lt. FCI-Standard nicht. In Canada andererseits
lässt man bisher lt. Standard nur schwarz und weiss-schwarz zu, keine Braunen und
keine Grauen. Aber gerade in Canada, das lehren uns die Informationen aus der
Datenbank, gibt es unzählige Linien, die Grau vererben, und unzählige Hunde, die als
grau bzw. grau-weiss ins Canadische Zuchtbuch eingetragen worden sind und werden!
Glücklicherweise sind die meisten der Züchter nicht mehr auf das Ausmerzen von
"Fehlfarben" eingestellt! Alle sind Neufundländer und haben dieselbe berühmte
Abstammung wie ihre standard-gefärbten Verwandten; und ausserdem: Nach $ 1 des
Tierschutzgesetztes darf kein Tier ohne WICHTIGEN Grund getötet werden!
Farbe ist keinesfalls ein solcher wichtiger Grund!
Nun, dies könnte ein
Hinweis darauf sein, dass diese "Gefahr" gar nicht so gross ist.
Ich weiss aber auch aus vielen Unterhaltungen, dass die Züchter selbst schon von
sich aus vermeiden, Linien, die das Scheckungsgen tragen, mit Linien, die braun
tragen, zu kombinieren.
Die Gene, die für unsere Rasse von Relevanz sind,
sind vorwiegend folgende:
B (black) schwarz b (brown) braun, kein schwarzes Pigment am Körper möglich, lediglich die Pupille ist schwarz C das Chinchilla-Gen mit seinen Allelen, es wirkt auf die braune Farbe, die lediglich eine Art Oxydation von schwarz ist, diese Genreihe hat mögcherweise Einfluss auf die helleren bzw. dunkleren Braunen D volle, satte Farbe ohne Aufhellung (dilution) d (dilution) das Aufhellungsgen, aus schwarz wird grau und aus braun wird cremefarben S (solid) das Vollausfärbungsgen, es hat nichts mit einer speziellen Farbe zu tun, sondern ist ein Muster, es steuert, wie weit die Pigmente sich auf dem Körper auszubreiten in der Lage sind sp (piebald-spotting) (piebald = engl. Elster) auch Plattenscheckung genannt, das vorhandene Pigment kann sich nicht über den ganzen Körper ausbreiten, der Rest bleibt weiss T (Ticking) Russ, kleine schwarze Punkte im Weiss t kein Russ
Eine Anmerkung zum besseren Verständnis:
Jedes Haar ist eine Art Hülse in
die das entsprechende Farbpigment eingelagert wird. Wenn es kein Pigment gibt, das dort
eingelagert werden kann, bleibt die Hülse leer, es entsteht weiss. Das Einlagern des
Farbpigmentes ist vor allen Dingen beim S-Locus zur Zeit der Geburt nicht abgeschlossen,
d. h. dass sich die Farbe auch nach der Geburt noch weiter einlagert, pigmentierte
Abzeichen grösser und analog dazu weisse Stellen in pigmentierten Zonen kleiner werden.
Ausserdem gibt es Zonen auf dem Körper eines Hundes, an denen verstärkt Farbe auftritt
bzw. an denen sie schwer zurückgedrängt werden kann, das sind vor allem der Kopf,
dort insbesondere die Ohren und die Rutenwurzel, so z. B. gibt es keinen
weiss-schwarzen Neufundländer mit einen völlig weissen Kopf.
Ferner:
Manchmal gibt es Zweifel, ob ein Hund, der sehr viel braunen Anflug im Fell zeigt,
sodass er von weitem wie ein brauner wirkt, nun genetisch schwarz oder braun ist.
Eine eindeutige Aussage (auch bei grau und creme) trifft immer die Pigmentierung
der Nase! Ist die Nase schwarz, dann ist es ein genetisch schwarzer Hund
(seine rezessiven Gene können wir nicht erkennen), ist die Nase braun, so ist er bb -
kein schwarz am ganzen Körper möglich (! - ausser die Pupille des Auges),
ist die Nase grau - was von tiefdunklem Anthrazit bis zu einem relativen Hellgrau
variieren kann - auch hier hat möglicherweise die Chinchilla-Serie einen Einfluss -
dann ist er genetisch dd, ist sie noch heller, nämlich cremefarben, dann ist der Hund
genetisch bbdd)!
Immer wieder tauchen weitere Angaben über weitere Allele
im S-Locus auf (nach C. C. Little), die noch ein si-Gen (für "Irish Spotting") und ein
sw-Gen (für extreme Weissfärbung) annehmen, soweit mir bekannt ist, ist
dies allerdings beim Neufundländer nicht der Fall.
Um das zu veranschaulichen:
Das si
gibt es z. B. beim Karelischen Bärenhund, der Hauptunterschied zum sp ist,
dass das Pigment sich von hinten nach vorn ausbreitet (vom Rutenansatz in Richtung
Kopf), beim sp von vorn nach hinten (vom Kopf sich weiter in Richtung Rute ausbreitend),
deswegen hat der Karele vorwiegend eine fast völlig schwarze Rute und fast völlig
schwarze Hinterläufe, oft jedoch eine weisse Blesse und einen grossen weissen
Brustfleck, viel Weiss an den Vorderläufen (Stiefel).

Dies sind Karelische Bärenhunde, sie zei- gen ein typisches si!
Können Sie
ein wenig nachvollziehen, wie sich das si im Gegensatz zum sp vom
Rutenansatz hin nach vorn ausbreitet?! Immer gibt es einen sog. Mantel und keine
zerrissenen Platten, das Muster ist sogar meist ziemlich symmetrisch. Auch wenn es bei
den Neufundländern Mantelhunde gibt, unterscheidet sich diese Zeichnung deutlich von
den hier abgebildeten und lässt nicht die Vermutung offen, dass es beim Neufundländer
überhaupt ein si gibt.
Ein weiteres Kriterium für die Neufundländer-Mantelhunde ist der
dann meist fast völlig schwarze Kopf ohne Blesse. Achten Sie vor allen Dingen auf die fast
schwarzen Ruten bei den Karelen, obwohl an der Brust, am Kopf, im Nacken und an den
Vorderläufen noch sehr viel Weiss ist.
Wenn man sich die gescheckten Hunde einmal ansieht, so ist keiner wie der andere,
irgendwie erscheinen die pigmentierten Stellen immer wieder anders und immer wieder an
anderer Stelle, mal grösser, mal kleiner, symmetrisch oder asymmetrisch, Vorhersagen sind
fast ausgeschlossen, es gibt Hunde in einem Wurf, die sind extrem wenig pigmentiert, und
solche, die sehr viel Pigment zeigen. Der Grund und übrigens auch die Ursache für kleine
weisse Abzeichen bei den Vollausgefärbten an Brust, Zehen und Rutenspitze liegt in den
Modifikatorgenen. Das sind "kleine" Gene, sie sich ausserdem auf dem S-Locus aufhalten
und die grosse Variationsbreite hervorbringen.
Herr Dr. Hansgeorg Pape vom
Geophysikalischen Institut Clausthal-Zellerfeld hat eine sehr interessante Ausarbeitung
zu diesem Thema geschrieben und herausgefunden, dass die Vererbung bei den
schwarzbunten Kühen wie bei den Neufundländern mit Plattenscheckung abzulaufen scheint.
Diese wissenschaftliche Arbeit hat er aufgrund des SHSB (Schweizerisches Hunde-Stammbuch)
vorgenommen, in dem seit den
Anfängen sehr akribisch die einzelnen weissen Abzeichen bei den schwarzen Neufundländern
aufgezeichnet worden sind. Sie finden den Artikel und einige mehr oben im Menue "über Farben".
Nun... Die Modifikatorgene steuern also die Ausbreitung der Farbe im S-Locus, je nach dem,
ob Plus-Modifikatoren vorhanden sind, d.h. mehr Pigment, oder ob Minus-Modifikatoren
vorliegen, d. h. weniger Pigment. Und so entstehen eine Vielzahl von Möglichkeiten, je nach
Vorhandensein dieser Modifikatorgene.

Aber was ist denn dieser nun genetisch gesehen?
Nach dem, was wir jetzt schon wissen, ist dieser Neufundländer sicherlich kein Repräsentant
für ein si, da der Kopf ganz schwarz ist. Rein theoretisch könnte es sich sowohl um einen
genetisch Vollausgefärbten (SS) mit vielen Minusmodifikatoren als auch um einen spsp mit
vielen Plusmodifikatoren handeln. Eine genauere Aussagen kann man hier ggfl. nur nach
der Ahnentafel treffen.
Ein weiterer interessanter Hinweis, den Herr Dr. Pape mir gegenüber
persönlich gab, bezieht sich auf das Vermeiden einer solchen, dem Standard
entgegenstehenden Zeichnung. Er teilte mir mit, dass man bei der Verpaarung von
schwarzen (SS oder Ssp) mit gescheckten Neufundländern (spsp)
nur solche spsp-Partner
wählen sollte, die möglichst wenig Weiss im Nacken haben. Je weiter sich das Weiss dort
meist keilförmig in Richtung zur evtl. Blesse zieht, desto eher ist damit zu rechnen, dass
Hunde mit Minusmodifikatoren entstehen. Die züchterische Praxis und Aufzeichnungen
darüber könnten das bestätigen. Bitte berichten Sie mir von Ihren Erfahrungen!

Doch nun zurück zu den weiss-grauen, weiss-braunen und weiss-cremefarbigen:
Wenn grautragende Linien mit braun- und das Scheckungsgen tragenden kombiniert werden,
auch wenn dies viele Generationen her ist, können diese Farbvarianten auftreten, denn alle
drei, um die es hier geht, vererben sich dem entsprechenden dominanten Gen auf ihrem
Genort gegenüber vollständig rezessiv. Und wenn wir versuchen würden nur einen winzig
kleinen Hinweis auf das Vorhandensein dieser rezessiven Allele phänotypisch am Körper
der Hunde zu suchen, wir würden nichts finden. Bisher haben Untersuchungen am
Augenhintergrund von rezessiv braunen zu keinerlei Ergebnis geführt... Allerdings wurde
mir nun von Frau Dr. Laukner, die sich auch intensiv mit der Vererbung der Fellfarbe beim
Hund beschäftigt hat, mitgeteilt, dass man nunmehr in den USA in der Lage ist, beim
American Cocker Spaniel über eine Genanalyse ermitteln kann, ob ein Hund Braunträger
ist oder nicht! Ob dies hier in Deutschland möglich ist, weiss ich zur Zeit nicht.
Also ein
phäno- und genotypisch völlig schwarzer Neufundländer, vollausgefärbt, hat den Gencode
(wir lassen erst einmal die restlichen, oben erwähnten Gene ausser Acht):
| BBSS | Er ist schwarz ohne braun zu tragen und ist vollausgefärbt. |
Nun stellen wir uns vor, er habe auf den beiden Genorten jeweils das uns interessierende rezessive Allel, er sähe also folgendermassen aus:
| BbSp | Dieser Hund ist phänotypisch ebenso schwarz wie der vorher genannte, trägt jedoch braun und das Scheckungsgen. |
Wird dieser nun mit einem gleichartigen verpaart, der denselben Gencode hat, dann könnten unter den Welpen folgende Möglichkeiten auftreten:
| BBSS | schwarz und vollausgefärbt, trägt weder ein rezessives braun noch ein rezessives Scheckungsgen |
| BbSS | schwarz und vollausgefärbt, braun rezessiv |
| BBSsp | schwarz, Scheckung rezessiv |
| BbSsp | schwarz, braun rezessiv, Scheckung rezessiv |
| BBspsp | weiss-schwarz gescheckt, in Bezug auf braun homozygot |
| Bbspsp | weiss-schwarz gescheckt, rezessiv braun |
| bbSS | braun, vollausgefärbt |
| bbSp | braun, Scheckung rezessiv |
| bbspsp | weiss-braun gescheckt |
Was ist aber nun, wenn wir die Dilution-Serie dazunehmen. Würde unser "Versuchshund" alle drei relevanten rezessiven Gene auf den entsprechenden Genorten tragen, die in einer eventuellen Verpaarung braun, Farbverdünnung oder Scheckung hervorbringen könnten, so wäre er phänotypisch immer noch schwarz:
| BbDdSsp | Er ist schwarz, rezessiv braun, rezessiv mit Aufhellungsgen, rezessiv gescheckt. |
Trifft dieser Letztgenannte nun auf einen entsprechend gleichen Partner, so sind alle Varianten möglich, die diese Gene nach einem einfachen Multiplikationsprinzip zulassen - ein Gen stammt vom Vater und eines von der Mutter (immer unter Beachtung der Tatsache, dass es eine genügend grosse Menge von Nachkommen gibt, und da selbst Würfe von 12-14 Welpen bei den Neufundländern in Bezug auf Wahrscheinlichkeit ein viel zu kleiner Faktor sind, bleibt es dem Zufall überlassen, was wirklich und in welcher Menge dabei heraus kommt). In diesem angenommenen Fall gibt es folgende Möglichkeiten, das sieht ziemlich kompliziert aus, ist es aber bei genauerem Hinsehen eigentlich gar nicht:
| BBDDSS | schwarz, ohne rezessiven Aufheller oder Scheckung |
| BbDDSS | schwarz, braun rezessiv |
| BBDdSS | schwarz, Aufhellung rezessiv |
| BBDDSsp | schwarz, Scheckung rezessiv |
| BbDdSS | schwarz, braun und Aufheller rezessiv |
| BbDDSsp | schwarz, braun und Scheckung rezessiv |
| BBDdSsp | schwarz, Aufheller und Scheckung rezessiv |
| BbDdSsp | schwarz, braun, Aufheller und Scheckung rezessiv |
| bbDDSS | braun, ohne Aufheller ohne Scheckung rezessiv |
| bbDdSS | braun, Aufheller rezessiv |
| bbDDSsp | braun, Scheckung rezessiv |
| bbDdSsp | braun, Aufheller und Scheckung rezessiv |
| BBddSS | grau, ohne rezessives Braun und ohne Scheckung |
| BbddSS | grau, braun rezessiv |
| BBddSsp | grau, Scheckung rezessiv |
| BbddSsp | grau, braun und Scheckung rezessiv |
| BBDDspsp | weiss-schwarz gescheckt ohne weitere rezessive Gene |
| BbDDspsp | weiss-schwarz, braun rezessiv |
| BBDdspsp | weiss-schwarz, Aufheller rezessiv |
| BbDdspsp | weiss-schwarz, braun und Aufheller rezessiv |
| bbddSS | creme, das dd macht aus dem Braun ein creme, ohne Scheckung rezessiv |
| bbddSsp | creme, Scheckung rezessiv |
| BBddspsp | grau-weiss gescheckt |
| Bbddspsp | grau-weiss, braun rezessiv |
| bbDDspsp | braun-weiss gescheckt |
| bbDdspsp | braun-weiss, Aufheller rezessiv |
| bbddspsp | creme-weiss gescheckt |
Einige Anmerkungen zu den Grauen: Bei den Doggen führt ein dd auf diesem Locus
gelegentlich zu Blindheit und Taubheit. Als dieses bekannt wurde, hat der NCA
(Newfoundland Club of America) eine wissenschaftliche Untersuchung angestrengt,
um herauszufinden, ob dies beim Neufundländer zu ähnlichen Defekten führt. Das ist
nicht der Fall! Lediglich kann in vereinzelten Fällen Haarlosigkeit an den Ohren auftreten,
siehe mein Buch, 2. Auflage.
Es gibt Graue, die einen sehr hellen Grauton zeigen bis hin
zu Dunkel-Anthrazitfarbenen, die man bei flüchtigem Blick im erstem Moment gar nicht für
Graue halten könnte. Selbst in den USA, wo diese Farbe zugelassene Standardfarbe ist,
gibt es kaum einen Züchter, der sich speziell der grauen Farbe widmet, wie es natürlich
andererseits besondere Braun- bzw. weiss-schwarz-Liebhaber überall auf der Welt gibt.
Diese Farbe wird auch dort als eine Art "Nebenprodukt" angesehen und meist in der Klasse
"all other than black" gezeigt, obwohl ich schon einige wirklich überaus vorzügliche Graue
gesehen habe!
Der rezessive Farbaufheller (der aus schwarz grau und aus braun cremefarben macht) hat
ebenso wie die Oxydationsfarbe Braun Einfluss auf die Augenfarbe. Die
Dunkelgrau-Anthrazitfarbenen haben meist eine ziemlich genau zur Fellfarbe passende anthrazit-graue
Augenfarbe, was sehr ansprechend wirkt, bei den helleren ist aber auch ein extremes bis
zum stechenden Gelb (dieser "Adlerblick" stört erheblich) oder Grün bis hin zum
Bläulich-Grün möglich, was andererseits wieder gut zu akzeptieren ist. "The sweet expression" des
Neufundländer-Kopfes (es gibt keinen besseren Ausdruck dafür, deutsch: der freundliche
Ausdruck) darf nicht gestört werden!
Nun fragen Sie sich vielleicht, ob so ein creme-weiss Gescheckter überhaupt wahrscheinlich
ist?!
Wenn man Linien kombiniert, die das rezessive braune, das rezessive Verdünnungs-
und das rezessive Scheckungsgen tragen, dann wäre dies natürlich theoretisch möglich,
aber aufgrund der vorgenannten vielen weiteren anderen Varianten doch nur eine von vielen.
Aber natürlich muss man daran denken, dass man vor allem von ausländischen Linien nicht
immer alle Informationen auch aus früheren Generationen hat oder bekommen kann.
Rezessive Gene können sich unsichtbar über viele Generationen weitervererben, bis dann
eventuell einmal eine entsprechende Verpaarung vorgenommen wird, die alles zu Tage
treten lässt...
Nun aber haben wir ja nur die "gängisten" Farben betrachtet. Immer wieder
jedoch gibt es noch "Ausnahmefälle", wie am Anfang der Seite zu sehen ist. Unbestreitbar
gibt es beim Neufundländer gelegentlich black (brown) & tan und brindle (gestromt).

Beide Hunde sind black & tan.
Das Typische für black & tan sind die tan-points, die leider
auf den beiden Bildern nicht zu sehen sind. Es handelt sich hierbei um zwei andersfarbige
Punkte jeweils über den Augen. In der Regel sind diese Punkte agutifarben (wildfarben,
wie die Pfoten bzw. Läufe der Hunde hier gezeichnet sind). Manchmal treten diese Punkte
über den Augen auch bei gescheckten Hunden (dann weiss) auf und verraten eindeutig
einen tan-point-Träger. In diesen seltenen Fällen ist das Scheckungsgen nicht in der Lage,
die tan-points vollständig zu dominieren.

...und dieser ist brown & tan...


Dieser Hund ist brindle (gestromt), es ist ziemlich schwierig, dies vom Foto her zu erkennen,
um ihn nicht eventuell mit einem brown & tan zu verwechseln (siehe Vergleich vorheriges
Bild). Es ist übrigens ein Hund aus Deutscher Zucht! Das Brindle stammt von einem ganz
anderen Genlocus, nämlich von dem sog. Ausdehnungslocus, der E-Serie mit seinen Allelen.
Bei diesem rezessiven Allel ebr muss man sich jedes Haar gebändert vorstellen, die
"Haar-Hülse" wird mit unterschiedlichem Pigment gefüllt, wie wenn man einen
mehrschichtigen Cocktail zaubert, bei dem sich die einzelnen Lagen nicht vermischen.
Bei den kurzhaarigen Rassen ist diese Stromung sehr deutlich als gesamtes Muster am
Körper sichtbar, was bei den Langhaarrassen nur am einzelnen Haar festgestellt werden
kann, um dieses Muster korrekt einzuordnen.
So, nun aber für diejenigen, die sich bis hierher "vorgequält" haben, die komplette Genreihe
mit Allelen (nach C. C. Little und Dr. H. Pape):
| Agutiserie (Agutiserie1) | A | aw | ay | ||
| Schwarz-Braun-Serie (black-brown) | B | b | |||
| Chinchilla-Serie | C | cch | cb | cd | c |
| Verdünnungsserie (dilution) | D | d | |||
| Ausdehnungsserie (extension) | E | ebr | em | e | |
| Zweifarbigkeitsserie (Agutiserie2) | G | gs | gt | g | |
| Ergrauungsserie (grey) | G | g | |||
| Merleserie (merle) | M | m | |||
| Scheckungsserie (solid) | S | si | sp | (sw) | |
| Russ (Ticking) | T | t |
Alle diese Gene sind ursprünglich von Clarence C. Little vor fast 100 Jahren ermittelt
worden (1910). Das wissenschaftliche Interesse an der Überprüfung dieser doch fast 100
Jahre alten Feststellungen ist in den letzten Jahren ausserordentlich gering, so gibt es
ausser Herrn Dr. Pape kaum noch jemanden, der sich überhaupt mit dieser Thematik
beschäftigt, das wissenschaftliche Interesse bezieht sich momentan vor allem auf die
molekularbiologischen Zusammenhänge.
So können wir "nur von dem leben" was es bisher
gibt. Die Loci B, D und S (das sw wird in seiner Existenz nachvollziehbar von Herrn
Dr. H. Pape angezweifelt) kennen wir ja nun schon... Das Merlegen M (auch Grautiger
oder Harlequin genannt) hat, soweit mit bekannt ist, für den Neufundländer keine Relevanz,
weil es noch nicht aufgetreten ist (man möge mich eines Besseren belehren), es bezeichnet
eine Art "Schimmelfärbung", die auch einer Scheckung zu ähneln scheint, der
Hauptunterschied ist jedoch, dass die Flecken nicht klar abgegrenzt, sondern in ihren
Konturen "zerrissen" sind. Das Merlegen ist, obwohl es ein in manchen Augen sehr
aussergewöhnliches Äusseres zu produzieren scheint, wenn es doppelt auftritt (MM),
ein schwerer Defektfaktor und führt zu Beeinträchtigungen der Sinnesorgane
(Blind- und/oder Taubheit). - Die Verpaarung von Mm x Mm, die die 25-%-ige
Wahrscheinlichkeit von MM-Tieren beinhaltet, fällt in Deutschland unter die sog.
Qualzuchten. Das Merlegen ist also ein dominantes Gen und somit züchterisch recht
einfach zu kontrollieren!
Nebenbei: Einen sehr interessanten "Auszug aus dem Gutachten zur Auslegung des § 11b
Tierschutzgesetz" vom Jan. 2000 sollte Sie als Züchter nicht nur in Bezug auf das Merlegen
interessieren... (zum Auszug des Gutachtens
>>>).

