Zeitschrift für wissenschaftliche Kynologie
19 Beilage zu "Schweizer Hundesport", Nr. 6/1985
Anpassung des Farbererbungsschemas bei Hunden an allgemeinere Verhältnisse bei Säugetieren
Von H. Pape
Institut für Geophysik
der Technischen Universität Clausthal
Problem des Erbganges für die Grundfärbung (wildfarbig, gelb,
schwarz und schwarz mit Abzeichen)
Während seiner langen Geschichte als Haustier hat der Hund eine beeindruckende
Fülle an Farbvarietäten hervorgebracht, die in der Rassezucht berücksichtigt
und erhalten werden. Bei jeder bewussten Zucht besteht das Interesse, die
Vererbungsgrundlagen der erwünschten und unerwünschten Eigenschaften zu
wissen. Für eine Reihe von Fellfarben, die auf einem einzelnen Mendel´schen
Erbfaktor beruhen, ist der Vererbungsgang einfach und wohlbekannt.
Beispiele dafür sind die Tigerdoggen-Musterung, die auf dem
dominanten Merlefaktor beruht, sowie die rezessiv vererbte Leberfärbung der
braunen Dobermannpinscher. In beiden Fällen handelt es sich mehr oder weniger
um eine farbliche Defektmutation bei der komplexe Prozess der
Haarpigmentierung nicht in der ursprünglichen Weise ablaufen kann.
Komplizierter werden die Verhältnisse, wenn eine Eigenschaft, wie die
verschiedenen Plattenscheckungsmuster, nicht nur durch eine einzelne
Mutation, sondern auch durch das Zusammenwirken mehrerer an verschiedenen
Genorten mutierter Faktoren hervorgerufen werden kann.
Merkwürdigerweise bietet nicht nur die Plattenscheckung, ein
Farbmustertyp, der geradezu charakteristisch für Tierarten im Hausstand sind,
große Probleme für die Genanalyse, sondern ebenso schwierig zu verstehen ist
die Vererbung der graubraunen Wildfärbung in bezug auf solche Farbmuster, die
innerhalb der Variationsbreite auch in Wolfspopulationen vorkommen können und
bei anderen Tierarten sogar als deren Wildfärbung bekannt sind. Gemeint sind
schwarz, schwarzlohfarben (black and tan) und gelb. Über die Zusammenhänge
bei der Vererbung dieses Farbenkomplexes der unverdünnten, ganz ausgefärbten
Grundfärbungen soll in diesem Aufsatz die Rede sein.
Als Basis für jeden Leser und auch für den Verfasser können die
zusammenfassenden Darstellungen des Wissensstandes in Little (1976) und Burns
und Fraser (1968) dienen. Allerdings muss davor gewarnt werden, die von
Little vorgeschlagene Theorie als endgültige Lösung anzusehen, denn sie
versagt gerade in manchen Fällen der Vererbung der Grundfärbung. Nach dem
Vorschlag von Räber (1980), alle Betrachtungen von der Wildfärbung ausgehen
zu lassen, versuchte der Verfasser (Pape 1983), die von Schleifenbaum (1976a,
b) und Iljin (1941) berichteten Ergebnisse aus Hund x Wolf- und Hund x
Schakal-Kreuzungen in ein befriedigendes genetisches Schema zu bringen.
Dazu war es nötig, das Schema von Little zu erweitern. Bisher
war gewissermaßen nur ein Teilaspekt bekannt, der besonders charakteristisch
für die Verhältnisse beim Hund gehalten wurde. Aufgrund der gewonnenen
Vorstellungen gelten bestimmte alte Regeln für den Züchter, zum Beispiel dass
sich Schwarz dominant vererbt, nicht mehr generell, sondern allenfalls für
einzelne Rassen bei einer entsprechenden Häufigkeitsverteilung der relevanten
Gene.
Nach einer kurzen Darstellung der Grundzüge des genetischen Schemas,
das in der jetzigen Form nicht mehr auf den Hund beschränkt ist, sondern auch
für eine so entfernte Tierart wie das Hauskaninchen und wahrscheinlich sogar
für Vogelarten gilt, sollen anhand von Beispielen die praktischen
Konsequenzen für den Züchter dargelegt werden.

Abbildung 1 Europäischer Wolf zur Demonstration des Wildfarbigkeitsmusters. Trotz starker Variabilität innerhalb der
Art sind bestimmte Charakteristika fast immer ausgeprägt. Dazu gehören
deutliche Haarringelung und aufgehellte Abzeichen. Foto Brennwalder
Steuerung der Pigmentfaktoren durch drei Faktorenreihen der Wildfarbigkeit
Wir gehen davon aus, dass die Grundfärbung in ihrer ganzen
Variationsbreite genetisch gesteuert wird, und zwar sind dafür mindestens
drei unabhängig vererbende Genplätze vorgesehen, auf denen jeweils eine ganze
Reihe abgestufter Gene möglich sind. Da jeder Genort doppelt besetzt ist mit
einem Gen mütterlicherseits und eine Gen, das vom Vater herrührt, wird die
Pigmentmusterbildung der Grundfärbung durch die Wechselwirkung von insgesamt
sechs Hauptfaktoren gesteuert, wobei die Paarlinge jedes der drei Genorte
gleich oder ungleich sein können.
Daraus ergibt sich eine Fülle an Genotypen, die größer ist als
die Zahl der beobachteten Farbmuster. Bei der Erzeugung der Fellfärbung
arbeitet die Natur nämlich mit recht sparsamen Mitteln, indem lediglich ein
braunes und ein schwarzes Pigment zur Verfügung stehen, die in verschiedener
Weise sowohl in bezug auf das Einzelhaar als auch in bezug auf den
Gesamtkörper verteilt werden. Obwohl die Gene der drei Genorte sicherlich in
unterschiedlicher Weise in das Wirkgefüge eingreifen, ähnelt sich die
Abstufung der drei Genreihen doch insoweit, als an einem Ende ein Gen steht,
das in Richtung auf stärkere Pigmentierung oder speziell Schwarzpigmentierung
steuert, während das Gen am anderen Ende die Pigmentierung insgesamt oder
speziell die Schwarzpigmentierung unterdrückt.
| Ausdehnungsserie | |
| E | Schwarzausdehnungsfaktor |
| ebr | Stromungsfaktor |
| em | Maskenfaktor |
| e | Gelbfaktor |
Agutiserie (Agutiserie 1) | |
| A | Dominantschwarzfaktor |
| aw | Haarringelungsfaktor für Wildfarbigkeit |
| ay | Haarringelungsfaktor für Lohfarbe |
Zweifarbigkeitsserie (Agutiserie 2) | |
| G | Faktor für Körperzeichnungsmuster der Wildfarbe |
| gs | Faktor für Zeichnung mit dunklem Sattel |
| gt | Faktor für Zweifarbigkiet ("black and tan") |
| g | Rezessivschwarzfaktor |
In Tabelle 1 sind die drei Reihen austauschbarer Gene
(Allelreihen) aufgeführt, um zu zeigen, dass die in ihrer Reihe jeweils höher
stehenden Gene, die über die darunterliegenden Gene dominant sind, in den
ersten beiden Reihen größere Schwärzung hervorrufen, in der dritten Reihe
dagegen jedoch ein helleres Muster. Das Zusammenwirken der Gene aller drei
Reihen lässt sich allerdings nicht erfolgreich als quantitative Vererbung
darstellen, da rezessive Gene dabei sind, wie zum Beispiel der Gelbfaktor e,
die bei doppelter Anwesenheit die Färbung allein bestimmen. Deshalb ist eine
vollständige genetische Analyse des dreireihigen Erbganges notwendig. Die
aufgeführten Einzelgene und daraus zusammengesetzten Reihen wurden außer bei
Hunden auch bei anderen Säugetieren und bei Vögeln festgestellt. Man ist sich
in der Genetik soweit einig, dass es eine Reihe für Pigmentausdehnung gibt.
Eine weitere Reihe ist nach der Wildfärbung des Aguti bekannt. Mit ihr wurde
die an schwarzen und gelben Zonen aufgebaute Haarringelung in Zusammenhang
gebracht. Gleichzeitig sollte ihr Normalgen das Muster der hellen
Bauchunterseite bei der Wildfärbung bewirken. Es zeigte sich, dass dafür
besser eine zweite Agutireihe beziehungsweise Zweifarbigkeitsserie (nach dem
darin enthaltenen "black and tan"-Faktor) aufzustellen ist.
Aus dem wichtigsten veröffentlichten Datenmaterial von
kontrollierten Kreuzungsexperimenten und Zuchtbuchaufzeichnungen wurde
ermittelt, welches Fellmuster jeweils durch das Zusammenwirken von Genen aus
verschiedenen Allelreihen gebildet wird. Man bezeichnet das als
Epistasiebeziehungen, die zusammen mit den Dominanzverhältnissen innerhalb
der einzelnen Allelreihen eine vollständige Aufschlüsselung des komplexen
Erbganges liefern. Es sollen nun nicht alle Einzelheiten nüchtern ausgeführt
werden. Stattdessen werden einige Beispiele vorgeführt und mit Hinweisen auf
Hunderassen, in denen sie eine Rolle spielen, ergänzt. Wer mit der
Vererbungslehre vertraut ist, kann sich daraus die Epistasiebeziehungen
selbst ableiten.
Diskussion der grauen, gelbbraunen und roten Farbenschläge
In dieser Gruppe sind alle Farbtypen mit geringem Anteil an
schwarzem Pigment zusammengefasst. Nicht dazu gehört allerdings die Fellfarbe
Leberbraun oder havannabraun, die eine Farbverdünnung von Schwarz darstellt
und an einem braunen Nasenspiegel zu erkennen ist. Außerdem sollen
verschiedene Graufaktoren und Albinismus ausgeschlossen sein.
Abbildung 2 Mittelschnauzer, "Pfeffer-und-Salz-farben". Dieser Fellfarbe liegt der Genotyp
für Wildfarbigkeit EEawawGG mit ausgeprägter Haarringelung
und aufgehellten Körperpartien (über den Augen und am Bauch) zugrunde. In Abweichung von der
gelbgrauen Wildfarbe sind alle Gelb-braun-Pigmente durch den Chinchillafaktor Cch
"gelöscht". Foto R. A. Rothe
Beginnen wir mit der gelbgrauen Wildfarbe, die durch die
Erbformel EEawawGG ausgedrückt wird. Es ist die Farbe
des europäischen Wolfes, deren charakteristische Einzelheiten von Räber in
"Die Schweizer Hunderassen" beschrieben sind. Bei den Hunden kommt
sie am ehesten bei verschiedenen Rassen aus der Gruppe der Spitze
(Wolfsspitz, Elchhund), Schnauzerrassen (Mittelschnauzer, Zwergschnauzer) und
beim Rauhhaardackel vor. (Allerdings muss berücksichtigt werden, dass bei der
Pfeffer-und-Salz-Farbe der Schnauzer alle Brauntöne durch den zusätzlich
vorhandenen Chinchillafaktor ausgelöscht sind. Dieser Faktor mit der eben
beschriebenen Wirkung gehört einer vierten bekannten Allelreihe, der
Albinismusreihe, an, die nach ihrem bekanntesten mutierten Gen, dem
Albinismusfaktor, benannt ist. Die Färbungsmuster werden also nicht allein
durch die Allele der drei Genreihen der Grundfärbung bestimmt. Im
vorliegenden Falle handelt es sich nur um eine geringfügige Abwandlung durch
einen weiteren mutierten Faktor, bei der die zugrunde liegende Wildfärbung
noch klar erkennbar bleibt. Wenn dagegen zum Beispiel Faktoren für vollständige
Weißfärbung wirken, kann der Grundfärbungstyp ganz verdeckt werden, obwohl
natürlich trotzdem ein ganz bestimmter Genotyp für Grundfärbung vorhanden
ist, der auch für die Weitervererbung bei Farbkreuzungen eine Rolle spielt.)
Interessanterweise eignet sich der häufigste Typ des Deutschen Schaeferhundes
viel schlechter als Paradebeispiel für die Wildfarbigkeit bei Hunden, da
zusätzlich ein schwarzer Sattel und die dunkle Maskenzeichnung vorhanden
sind. Entsprechend schwierig ist die genetische Analyse gerade dieses
Zeichnungstyps. Wahrscheinlich kommen im homozygoten Falle zusätzlich bzw.
bei Homozygotie ersatzweise die
Faktoren em, A und gs ins Spiel.
Wird in der Formel für die echte Wildfarbigkeit der
Haarringelungsfaktor aw durch den abgeschwächten Faktor ay ersetzt, so
entsteht die Loh- oder Zobelfarbe ("sable") mit der Erbformel EEayayGG, wie wir
sie vom Schaucollie kennen. Bei dieser Farbe kann schwarzes Pigment
prinzipiell gebildet werden, ist jedoch anteilmäßig weitgehend reduziert. Das
Einzelhaar ist überwiegend rötlichgelb und färbt sich gegen die Spitze zu
schwarz. Dadurch erscheint das vom Gesamteindruck her gelbe Colliefell auf
dem Rücken und an den Seiten wie von einem feinen schwarzen Schleier
überzogen.
Kaum zu unterscheiden von der Zobelfarbe ist ein Gelb, das auf
dem rezessiv epistatischen Faktor e beruht. Bei Anwesenheit von ee wird bei
allen Besetzungsmöglichkeiten in der Aguti- und der Zweifarbigkeitsreihe
ausschließlich gelbbraunes und kein schwarzes Pigment gebildet. Deshalb sind
im Gegensatz zur Zobelfarbe keine schwarzen Haarspitzen vorhanden. Für die
Gleichmäßigkeit und Tiefe des Farbtons spielt es jedoch sehr wohl eine Rolle,
welche Gene aus der Zweifarbigkeitsserie vorkommen. So erzeugt zum Beispiel
der Wildfarbigkeitsfaktor G eine hellere Unterseite. Aus
Farbkreuzungsexperimenten geht hervor, dass beim Golden Retriever der Genotyp
eeAAgg vorkommt. Dagegen ist dieser Typ beim Bullterrier gar nicht vorhanden,
sondern stattdessen treten die Typen eeayayGG, Gg und gg
auf. Die feinen farblichen Differenzierungen zwischen diesen Genotypen
beruhen darauf, dass die Farbfaktoren der Aguti- und Zweifarbigkeitsserie
nicht nur auf schwarze Pigmentierung, die hier nicht vorhanden ist, sondern
auch auf die Verteilung der braunen Pigmentkörner einwirken.
Bleiben wir beim Beispiel des Bullterriers und ersetzen e durch em oder
ebr, so wird
zusätzlich ein dunkles Zeichnungsmuster in Form einer Maske beziehungsweise
der Stromung ausgebildet, dessen Intensität von den g-Faktoren verstärkt
wird. Beim Scottish Terrier kommt als Genotyp ebrebrayay
gg vor. Diese
Tiere können so dunkel gestromt sein, dass sie fast schwarz wirken.
Aus den dargestellten Zusammenhängen ist bereits für die
wildfarbigen und gelbbraunen Farbenschläge ersichtlich, dass sich auf genetischer
Grundlage Möglichkeiten der züchterischen Feinarbeit ergeben. Im Hinblick auf
den Farbeindruck muss noch ergänzt werden, dass generell das, was wir als
lohfarben oder gelbbraun bezeichnen, unter dem Einfluss von
Farbintensitätsfaktoren, die auf das gelbbraune Pigment wirken, zwischen
Blassgelb und intensiv Rot (Irish Setter) variieren kann. Diese Problematik
hat naturgemäß nicht mit dem generellen, von den drei Wildfarbigkeitsserien
erzeugten Farbmuster zu tun.
Verschiedene Arten von Schwarz
Abbildung 3 Der Mittelschnauzer mit der
Formel EEAAgg ist intensiv schwarz. Die summierte Farbe schlägt bei
Kreuzungen mit anderen Farbschlägern der F-1-Generation mit Sicherheit durch.
Foto R. A. Rothe
Die sicherste Methode, mit Hilfe der drei Wildfarbigkeitsreihen
Schwarz anzusteuern, besteht darin, dass aus jeder Allelreihe der Faktor für
größte Intensität des Schwarzpigments gewählt wird. Den so entstandenen
Genotyp EEAAgg kann man als intensiv schwarz oder summiertes Schwarz
bezeichnen. In alten Rassen mit Schwarz als traditionellem Hauptfarbenschlag
(Pudel, Schnauzer) führte die züchterische Arbeit unbewusst zu diesem Ziel.
Charakteristisch für summierte Farben ist ihre sichere Vererbung; das heißt bei
einer einmaligen Kreuzung mit irgendeinem Genotyp schlägt die summierte Farbe
in der F-1-Generation durch. Aufgrund entsprechender Beobachtungen beim Hund,
genauso wie beim ebenfalls sehr alten Haustier Huhn, entstand zunächst einmal
die Ansicht, dass die Vererbung der Schwarzfärbung mit einem einzelnen
dominanten Faktor erklärt werden könnte. Dafür sollte dann, je nach Ansicht,
der Ausbreitungsfaktor E oder der Dominantschwarzfaktor A verantwortlich
sein. Tatsächlich reicht es beim und für die Schwarzfärbung aus, wenn E und
AA zusammen vorhanden sind wie im Genotyp EEAAGG. Im Gengefüge mit GG
ist jedoch die Beziehung zwischen A und aw (bzw. ay
) intermediär, indem der
heterozygote Gentyp EEAawGG einem dunkelwildfarbigen (schwarz mit Abzeichen) Phänotyp entspricht.
Ein weiterer Genotyp für schwarz ist EEayaygg. (In
Zukunft wollen wir nicht immer zwischen aw und ay
unterscheiden, da die Abstufung zwischen aw und ay nur gering
ist, und es soll dann das Entsprechende bei Einsetzen von aw für ay
und
umgekehrt gelten.) Der Typ EEayaygg kann
problemlos zusammen mit lohfarbenen beziehungsweise gelbbraunen Farben (auch
gestromt und mit Maske) gekreuzt werden und vererbt dann rezessiv in bezug
auf EEayayGG
(lohfarben) und dominant in bezug auf eeayaygg (gelb),
denn die Kreuzungsprodukte sind EayayGg
(lohfarben) und Eeayaygg (schwarz). Beispiele für solche
Verhältnisse liefern die Rassen Deutsche Dogge (Little 1976), Bullterrier
(Briggs und Caliss 1942), Boston Terrier, Scottish Terrier (Little 1976) und
Greyhound (Warren 1927). Das Einführen des Faktors A durch das Einkreuzen
fremdrassiger schwarzer Tiere könnte dagegen das Erscheinungsbild von Rassen
mit Gelb als Hauptfarbenschlag, in denen A bisher fehlt, stark
durcheinanderbringen. Im Sinne einfacher Erbgänge verträgt sich dagegen
intensiv Schwarz gut mit wildfarbig innerhalb einer Rasse (Schnauzer, siehe
Räber 1974), ebenso ist die gemeinsame Züchtung von intensiv Schwarz mit dem
gelben Genotyp eeAAgg (Retriever) möglich.
Damit sind noch nicht alle reinerbigen (homozygoten) schwarzen
Genotypen genannt; denn sehr wahrscheinlich gehören noch emem
AAgg und ebrebrAAgg dazu.
(Wegen weitgehender Parallelität in den genetischen Beziehungen werden im
folgenden nicht mehr em und ebr
beide einzeln aufgeführt; es soll dann für das nicht genannte
Gen das Entsprechende gelten.)
Von den mischerbigen schwarzen Genotypen führen wir als
besonders aufschlussreich EEAawGg an, der aus einer Kreuzung
von intensiv Schwarz mit wildfarbig hervorgeht. Aufgrund der Dominanz von G
wäre auch ein dunkelwildfarbiges (schwarz mit Abzeichen) Erscheinungsbild
denkbar gewesen. Es zeigt sich jedoch, dass der Faktor g eine verstärkende
Wirkung auf andere pigmentierungsfördernde Faktoren besitzt.

Abbildung 4 Beim Bullterrier treten die
Typen eeayayGG, Gg und gg
auf.Wird e durch em oder ebr ersetzt, so
entsteht ein dunkles Zeichnungsmuster, das wir als „Stromung“ bezeichnen.
Ihre Intensität wird von den g-Faktoren verstärkt. Zusätzlich kann noch eine
dunkle Maske auftreten. Gelb-rote Bullterrier mit roter Maske nennen die
Engländer „Smuts“. Foto F. Leimgruber
Verwandte Zweifarbigkeitsmuster ("schwarz mit Abzeichen")
Als wichtigster Genotyp aus dieser Gruppe ist EEayaygtgt
anzusehen,
der mit Sicherheit das bekannte "black and tan"-Muster des Dobermann
(Iljin 1931) hervorruft. Sicherlich wird dieser Genotyp auch in anderen
Rassen mit dem Farbenschlag "schwarz mit Lohabzeichen" durch
positive Auslese angereichert, zum Beispiel beim Dachshund, Rottweiler und
den Sennenhundrassen. (In diesem Zusammenhang soll nur die Grundfärbung
betrachtet werden. Das zusätzlich charakteristische Scheckungsmuster bei
Sennenhunden und bei späteren Beispielen muss man sich solange wegdenken.
Glücklicherweise lassen sich die Scheckungs- und Grundfärbungsmuster gut
nebeneinander erkennen, was einerseits den ästhetischen Reiz erhöht,
andererseits eine Trennung in der wissenschaftlichen Untersuchung ermöglicht.
In diesem Text werden die überlagernden, nicht zur Grundfärbung zählenden
Muster, denen zur Zeit das besondere Interesse des Verfassers gilt, nicht
weiter behandelt, da sie für sich allein eine noch umfangreichere Darstellung
erfordern.)
Wenn wir das Zweifarbigkeitsmuster mit der Wildfarbe
vergleichen, werden wir die typischen helleren Abzeichen mit geringerem
Kontrast auch beim Wildfarbigkeitsmuster entdecken. Prinzipiell können die
Abzeichen also auch vom Wildfarbigkeitsfaktor G erzeugt werden.
Entsprechendes gilt für den Sattelfaktor gs. In einer
geeigneten genetischen Umgebung ist der Faktor G tatsächlich in der Lage,
einen Erscheinungstyp (Phänotyp) schwarz mit Abzeichen hervorzubringen. Ein
solcher Typ mit der Erbformel EEAawGG wurde bei den Kieler Wolf x
Pudel-Kreuzungen und innerhalb der Rasse Zwergschnauzer gefunden.

Abbildung 5 Bis in die dreissiger Jahre
trug man in die Zuchtbücher black and tan-farbige Zwergschnauzer mit der
Formel EEAawGG ein. Verblasst die Lohfarbe, so erhalten wir
den sogenannten Schwarz-Silber-Schnauzer. Foto R. A. Rothe


Abbildung 7 In der zweiten Nachzuchtgeneration Wolf x Pudel-Kreuzungen traten unter anderem auch
Tiere mit der Färbung "schwarz mit hellen Abzeichen" und dem Genotyp EEAawGG auf. Foto D. Feddersen
Weitere genotypische Möglichkeiten für das Zweifarbigkeitsmuster
ergeben sich durch Einführung des "black and tan"-Faktors gt in die
letzte Formel: EEAawGgt und EEAawgtgt
. Doch damit nicht genug: Für E
lässt sich der Maskenfaktor em einsetzen. Wahrscheinlich darf
dann sogar der Gegenspieler A doppelt auftreten, so dass wir, von den
Heterozygoten einmal abgesehen, mit folgenden zusätzlichen reinerbigen
Genotypen für Zweifarbigkeit rechnen können: ememAAGG und memAAgtgt. Solche
Überlegungen sind für Forschungen auf dem Gebiet der Rassengeschichte wichtig.
Wie Räber von den Schweizer Hunderassen berichtet, traten gerade in den
Anfangszeiten einer planmäßigen Zucht unerwartete "Fehlfarben" auf,
die sich erklären lassen, wenn wir annehmen, dass in der phänotypisch
zunächst grob einheitlichen Hundepopulation ursprünglich mehrere Genotypen,
die sehr ähnliche Muster hervorrufen, gemischt waren.
Schlussfolgerungen für Farbenzucht bei Hunden
Da für die Grundfärbungen der Hunde ein sehr komplexer Erbgang
vorliegt, in dem sehr viele Farbgene eine Rolle spielen, die sich noch dazu
auf drei Allelreihen verteilen, und da außerdem hinter einem Erscheinungsbild
die verschiedensten Genkonstellationen verborgen sein können, wurde in der
Rassehundezucht von einer vermischten Farbenzucht weitgehend abgesehen. In manchen
Rassen ist sie problemlos möglich, da die erlaubten Farbenschläge "gut
zueinander passen". Bei genauerer Analyse bedeutet das, dass in diesen
Rassen jeweils eine Allelreihe mit einem einzigen Gentyp konstant gehalten
wurde. Deshalb vereinfacht sich der Erbgang der verbleibenden Genotypen ganz
beträchtlich. Daraus folgt auch, dass die Beobachtung über die Vererbung von
Hundefarben bei verschiedenen Rassen zu unterschiedlichen Ergebnissen führen
können und insbesondere die größten Überraschungen zu erwarten sind, wenn
Einkreuzungen aus fremden Rassen vorgenommen werden. Der erste Schritt bei
einer Farbenzucht auf wissenschaftlicher Grundlage ist es daher zu ergründen,
welche Allelreihe in der betreffenden Rasse nicht variiert (Abstufungen
zwischen e, ebr, em, bzw. ey, ew
zählen dabei meist nicht) vorhanden sind und enorm stören
würden.
Viele Rassen sind zum Beispiel frei vom Dominantschwarzfaktor A:
dazu gehören Deutsche Dogge, Dachshund, Boxer, Bullterrier, Boston Terrier,
Scottish Terrier, Greyhound. Bei den Schnauzerrassen (Mittelschnauzer,
Zwergschnauzer) variiert die Agutireihe mit A und aw. Dafür
bleibt jedoch der Ausdehnungsfaktor E konstant.
Innerhalb der Rassen Dachshund und Boxer wird eine Farbenzucht
mit Ausschluss des schwarzen Farbenschlages betrieben. Das gelingt im Falle
des Dachshundes durch Vermeidung der Faktoren A und g. Der Boxerrasse fehlen
E und A (dasselbe dürfte für Bernhardiner gelten).
Aufspaltung bei gleichfarbigen Eltern
Aus den vereinfachten Vererbungsverhältnissen innerhalb isolierter
Hunderassen (Schaucollie, Dachshund) wurden "Dominanzfolgen" für
die Fellfarben aufgestellt. Danach galt schwarz dominant über alle Loh- und
Gelbbraunfarben, und die Zobelfarbe erwies sich als dominant über "black
and tan". Unter dieser Voraussetzung ließe sich schließen, dass bei
schwarzen Elterntieren die beiden anderen Farben herausmendeln könnten, auch
zweifarbige, aber keine schwarzen hervorgehen, und schwarzlohfarbige Eltern
müssten immer rein weitervererben. Tatsächlich gilt das nur innerhalb gang
bestimmter Rassen. Für manche andere Rassen lassen sich auch andere
"Dominanzfolgen" aufstellen. Das gelingt jedoch nicht in jedem
Fall, zum Beispiel nicht beim Englischen Setter (Winge 1946).
Rassenübergreifend haben solche "Dominanzfolgen" überhaupt keinen
Sinn, da wegen der Gültigkeit eines sehr komplexen Erbganges aus jeder
Farbengruppe die beiden anderen herausfallen können. Das führt uns zur
Problematik der Fehlfarben, die mitunter Erstaunen und eine gewisse
Hilflosigkeit hervorrufen. Bei richtiger Einschätzung des Problems lässt sich
aus der Kenntnis der gefallenen Fehlfarben eine geeignete züchterische
Strategie zur Farbenreinzucht entwickeln, die das Ziel verfolgen muss,
bestimmte Farbfaktoren zu eliminieren beziehungsweise stabilisierende Gene
anzureichern. Dazu sollen einige Hinweise für die drei Farbmustergruppen
folgen.

Abbildung 6 Mittelschnauzer aus einer
Paarung des intensivschwarzen Genotyps EEAAgg mit dem
„Peffer-undSalz“-farbenen Genotyp EEawawGG.
Es resultiert der Genotyp EEAawGg, der im großen und ganzen schwarz
aussieht, aber in charakteristischer Weise an bestimmten Körperstellen
hellgeringelte Haare aufweist.
Der Hund links ist ein intensivschwarzer
Schnauzer, der Hund rechts entstammt der F-1-Generation einer Paarung Schwarz
x Pfeffersalz. Der graue Anflug ist deutlich sichtbar. Geringelte Haare
treten vor allem am Hals, an den Flanken und an den Hinterkeulen auf. Schwarz
bleibt ein breiter Aalstrich. Mit zunehmendem Alter treten immer mehr
geringelte Haare auf. Foto H. Räber
Aufspaltung bei zweifarbigen Eltern
Nach den bisher allgemein verbreiteten Vorstellungen ist es am
überraschendsten, wenn in dieser Gruppen Welpen mit anderer als zweifarbiger
Grundfärbung geboren werden. Eine Herausmendelung des schwarzen Phänotyps lässt
sich mühelos erklären, wenn der Rezessivschwarzfaktor g berücksichtigt wird.
Folgendes Schema ist eine Erklärung für Befunde beim English Setter (Winge
1946) und dürfte theoretisch auch für Bullterrier zutreffen, obwohl im
heutigen Zuchtgeschehen die Verpaarung von "black and tan"-Tieren
wohl nicht vorkommt:
| EEayaygtg | x | EEayaygtg | EEayaygg |
| "black and tan" | "black and tan" | schwarz |
In Rassen mit dem Dominantschwarzfaktor A käme noch folgende Gleichung hinzu:
| EEayaygtg | x | EEAaygtgt oder Ggt | EEAaygtg oder EEAayGg |
| "black and tan" | "schwarz mit Abzeichen" | schwarz |
Außerdem kann in solchen Rassen auch die Lohfarbe auftreten:
| EEAayGG | x | EEAayGG | EEayayGG |
| "schwarz mit Abzeichen" | "schwarz mit Abzeichen" | lohfarben |
Die Aufspaltung von schwarz-loh zu gelb und "gelb mit Maske" interessiert im Zusammenhang mit der frühen Rassengeschichte des Grossen Schweizer Sennenhunde (Räber 1980). Die einfachste genetische Gleichung dafür ist:
| Ee(m)ayaygtgt | x | Ee(m)ayaygtgt | e(m)e(m)ayaygtgt |
| "black and tan" | "black and tan" | gelb oder "gelb mit Maske" |
wobei e(m) für e oder em steht.
Es gibt aber noch weitere Möglichkeiten, die dasselbe
hervorbringen, zum Beispiel:
| ememAayGG | x | ememAayGG | ememayayGG |
| "schwarz mit Abzeichen" | "schwarz mit Abzeichen" | "gelb mit Maske" |
(Für G kann gt eintreten.)

Abbildung 8 Die Grundfärbung des Bernhardiner ist "gelb mit Maske" des Genotyps ememayaygg. Durch zusätzliche Intensivierungsfaktoren wird das gelbbraune Pigment zu Rot verstärkt. Am typischen Gesamteindruck ist ausserdem das "Plattenscheckungs"-Muster wesentlich beteiligt.
Wenn wir jetzt die ursprünglich vorhandenen Aufspaltungsprobleme
beim Bernhardiner mit denen beim Grossen Schweizer Sennenhund vergleichen und
uns dabei in Erinnerung rufen, dass bei den Bernhardiner Hunden des berühmten
Züchters Schumacher noch beide charakteristischen Farbmuster in einer
Rassevereinigt waren, dann können wir uns fragen: "Wie lassen sich die beiden
Grundfärbungen 'gelb mit Maske' und 'schwarz mit Abzeichen' in der
Farbenreinzucht festigen?" Es zeigt sich, dass getrennte Wege
eingeschlagen werden müssen, indem beim Bernhardiner em als
stabilisierendes Gen rein gezüchtet werden sollte bei gleichzeitiger
Eliminierung von E, dagegen beim Grossen Schweizer Sennenhundgerade der Typ
EEayaygtgt anzustreben
ist. Eventuell gibt es auch den Genotyp ememAAGG
oder gtgt als
Alternative für das Farbmuster "schwarz mit Abzeichen". Keinesfalls
jedoch sollten, und das gilt für beide Rassen, phänotypisch gleiche
Genotypen, die in der Ausdehnungsserie verschieden sind
(z. B. EE oder emem), zusammen
vorkommen.
Aufspaltungen bei lohfarbenen und gelbbraunen Eltern
Ein "Schlüsselerlebnis" für die Farbvererbungslehre,
das zu einer tiefgreifenden Verbesserung des Erkenntnisstandes führte (Little
1976, Burns und Fraser 1968), wurde durch einen Wurf schwarzer Welpen aus der
Paarung Golden Retriever x zobelfarbener Collie hervorgerufen. Das Experiment
lässt sich mit Hilfe der Erbformeln folgendermaßen erklären:
| eeAAgg | x | EEayayGG | EeAayGg |
| Golden Retriever | zobelfarbener Collie | schwarz |
Eine von Räber (1980) berichtete Herausspaltung von Schwarz beim Bernhardiner hat wahrscheinlich einen anderen genetischen Hintergrund:
| ememayaygg | x | EemayayGg | Eemayaygg |
| "gelb mit Maske" | "gelb mit Maske" | schwarz |
In einem solchen Falle könnte versucht werden, den Faktor E aus
dem Genpool der Rasse zu eliminieren, indem möglichst große und dunkle
Gesichtsmasken bevorzugt und außerdem Farbmuster mit irgendwelchen Anzeichen
heller Wildfarbigkeitsmerkmale bei der Zuchtwahl vermieden werden.
Aufspaltung zu "black and tan" bietet bei den Loh- und
Gelbbraunfarben keine Überraschung und erfolgt zum Beispiel nach folgenden
Schemata:
| EEayayGgt | x | EEayayGgt | EEayaygtgt |
| zobelfarbige Collie mit etwas Schwarzpigmentierung der Rückenbehaarung: rote oder wildfarbige (mit aw) Dachshunde mit Aalstrich auf dem Rücken | "black and tan" | ||
Weitere Möglichkeiten sind:
| eeAAgtgt | x | EEayayGgt | EeAaygtgt und EeAaygtgt |
| gelb | lohfarben mit dunklerem Rücken | "schwarz mit Abzeichen" | |
eeAAGG | x | EEayayGG | EeAayGG |
| gelb | lohfarben | "schwarz mit Abzeichen" |

Abbildung 9 Ausser der typischen "black and tan"-Färbung, die mesit durch den Genotyp EEay
aygty<thervorgerufen wird, zeigt dieser Entlebucher Sennenhund das typische Muster der "irischen Scheckung"
mit weisser Blesse, weissem Brustfleck, weissen Pfoten und weisser Schwanzspitze.
Aufspaltung bei schwarzen Eltern
Die Aufspaltung von Schwarz in alle möglichen Farben ist nie
bestritten worden. Sie erfolgt jedoch nicht nach einem einheitlichen Schema,
wie die anschließenden Beispiele zeigen:
| Eeayaygg | x | Eeayaygg | eeayaygg |
| schwarze Deutsche Doggen | gelb | ||
EeAAgg | x | EeAAgg | eeAAgg |
| schwarze Retriever | Golden Retriever | ||
EEAawGg | x | EEAawGg | EEawawGG |
| schwarze Mittelschnauzer (Zwergschnauzer) | wildfarbig (Pfeffer und Salz) | ||
EEAAgtgt | x | EEAaygtg | EEAaygtgt |
| schwarz | schwarz | "schwarz mit Abzeichen" | |
EEAawGg | x | EEAawGg | EEAawGG |
| schwarze Mittelschnauzer (Zwergschnauzer) | "schwarz mit Abzeichen" | ||
Abschließende Bemerkungen
Die vorangehenden Darlegungen sollten klarmachen, dass die
Vererbung der Grundfärbungen beim Hund einem durchschaubaren, aber sehr
komplizierten Schema folgt, obwohl nur drei grobe Typen an Grundfärbungen im
Erscheinungsbild auftreten, nämlich "schwarz", Farben der
"grau-gelb-braun-Gruppe" und "schwarz mit Abzeichen".
Durch das Zusammenwirken vieler Farbgene (siehe Tabelle 1) und das Prinzip
der dreifachen Steuerung kann eine Grundfärbung auf verschiedene Weise
genetisch erreicht werden. Darauf beruhen zum Teil die vielen Nuancen, in
denen ein gleich benannter Farbenschlag auftreten kann und mit denen sich die
züchterische Feinarbeit befasst.
Solange innerhalb eines Farbenschlages einer Rasse verschiedene
phänotypisch ähnliche Genotypen zusammen vorkommen, wird im allgemeinen auch
andersfarbige Nachkommenschaft erzeugt werden. Bei einer extrem freien
Farbenzucht, das heißt wenn alle bekannten Farbgene in einem Genpool
zusammenträfen, würde der Züchter rasch die Kontrolle über die genetischen
Vorgänge seiner Zuchtvorhaben verlieren, falls er je eine Übersicht besessen
hätte. Eine gezielte Farbenzucht ist aber durchaus möglich, wenn das Problem
vereinfacht wird, indem innerhalb einer Rasse jeweils mindestens eine
Farbfaktorenreihe konstant gehalten wird. Auf diese Weise lassen sich reine
Färbungstypen erzielen und einfach Regeln für die Farbenvererbung aufstellen, die dann zunächst einmal nur für die
betreffende Rasse gelten.
In den Einzelausführungen zur Vererbung spezieller Farbmuster
wurde das Erscheinungsbild eines Genotyps mit knappen Bezeichnungen wie zum
Beispiel "schwarz mit Abzeichen" angegeben. Um einer möglichen
Kritik vorzubeugen, muss dazu erwähnt werden, dass in Einzelfällen die
Festlegung eines Phänotyps sehr schwierig ist, da er sich vom Welpenalter
über die Jugendstadien bis ins Alter stark verändern kann. Das trifft in ganz
besonderem Masse für die der Wildfärbung nahestehenden Genotypen zu, die den
Dominantschwarzfaktor A enthalten. Ch. Schleifenbaum (1976) berichtet von
einem phänotypischen Wandel einzelner Wolf x Pudel-Mischlinge, der von
Schwarz über "black and tan"; zu wildfarben führte. Von der
Züchterin Frau Butenhoff wurde mir berichtet, dass ein Neufundländer des Herrn
Dr. Scholze mehrmals während seines Lebens sein Aussehen wechselte. Das Tier
wurde ebenfalls schwarz geboren und zeigte später gelbe Abzeichen.
Eingangs wurde die Überzeugung ausgesprochen, dass die
genetischen Grundlagen der Farbvererbung bei Hunden in ähnlicher Weise auch
für andere Säugetiere gelten würden. Nachgewiesen wurde das bisher für das
Hauskaninchen, wobei zu bemerken ist, dass die Wildfärbungen als Muster beim
Wolf und beim europäischen Kaninchen viele Grundzüge gemeinsam hat. Für andere
Tierarten steht die Zuordnung entsprechender (homologer) Gene für das
Gesamtschema noch aus. Diese Aufgabe bereitet zum Beispiel im Falle der
Hauskatze, die mit den Hunden näher verwandt ist als das Kaninchen, aber eine
stärker verschiedene Wildfärbung besitzt, noch Schwierigkeiten.
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