Sonderdruck aus Zeitschrift für Tierzüchtung und Züchtungsbiologie
Bd. 100 (1983), H. 4, S. 252-265
Verlag Paul Parey - Hamburg 1 - Spitalerstrasse 12
Rechte, auch die der Übersetzung, des Nachdrucks, der photomechanischen Wiedergabe und der Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen, vorbehalten, © Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin
Institut für Geophysik der Technischen Universität Clausthal-Zellerfeld
Revision des Erbfaktorenschemas der aus Loh und Schwarz zusammengesetzten Grundfärbung bei Hunden sowie Aufdeckung paralleler Verhältnisse bei Kaninchen
Von H. Pape
Eingang des Ms. 1.2.1982
Einleitung
Wenn man die ungeheure Vielfalt der Fellfärbung bei Hunden
bedenkt, so sind durch die Arbeiten zahlreicher Forscher beachtliche
Fortschritte erzielt worden in dem Bestreben, die zugrunde liegenden
genetischen Verhältnisse in eine Ordnung zu bringen und aufzuklären. Es wurde
eine ganze Zahl von Erbfaktoren aufgestellt, die allgemein anerkannt sind und
mit denen sich jedes Erscheinungsbild erklären lässt. Vor allem stehen die
registrierten Vererbungsgänge, abgesehen von einzelnen Unklarheiten, in guter
Übereinstimmung mit den geltenden theoretischen Vorstellungen. Diese wurden
zusammenfassend dargestellt von LITTLE (1976) und BURNS und FRASER (1966).
Grundsätzlich besitzt jede Fellfärbung eine Grundfärbung aus Loh-
und Schwarzkomponenten, die all den Veränderungen unterworfen sein kann, die
durch die Faktoren der Albino-Serie, der Scheckung, Farbverdünnung, Silberung
usw. hervorgerufen werden. Als die wichtigsten Grundfärbungen haben zu gelten:
wildfarbig, einfarbig schwarz, einfarbig loh, zweifarbig (schwarz-loh oder
schwarz-wildfarbig) und Sattelzeichnung bei loh- oder wildfarbigen Tieren.
Außerdem gehört eine schwarze Maske, wenn diese nicht auf Scheckungs- oder
Albinismus-Faktoren zurückzuführen ist, untrennbar zur Grundfärbung dazu, und
wahrscheinlich gilt dasselbe für die Stromung.
Die genetische Erklärung der Grundfärbung, insbesondere der
Wildfärbung, bereitet seit jeher die größten Schwierigkeiten. Das liegt vor
allem daran, dass es für die Wirkung eines Faktors an einer einzelnen Stelle
nur zwei Möglichkeiten gibt, nämlich Bildung von Loh oder Schwarz die keine
unabhängigen Farbstoffe, sondern nur zwei Oxidationsstufen eines Pigmentes
darstellen. Es bleibt bei dieser einzigen dualen Entscheidung, auch wenn
mehrere Faktoren mitwirken. Dadurch, dass immer wenigstens zwei Faktoren als
Gegenspieler auftreten, kommen Regelsysteme zustande, die komplizierte
zweifarbige Muster bewirken können. So entstehen verschieden geringelte
Einzelhaare im Kleinen und das gesamte Fellmuster im Grossen. Das beste
Beispiel hierfür liefert die Wildfarbe. Als Grenzfälle werden andererseits aber
auch so einfache "Muster" wie einfarbig schwarz oder einfarbig loh
gebildet.
Aus der Analyse der vorhandenen Zeichnungsmuster und ihrer
Erbgänge kristallisierten sich bisher 10 Erbfaktoren heraus, über deren
Existenz allgemeine Übereinstimmung herrscht. Zugrunde liegen die Arbeiten von
LITTLE (1914, 1976), WRIGHT (1918), ILJIN (1931a, 1931b, 1932, 1934, 1941),
WILLIS (mdl. Mitt. zitiert in BURNS und FRASER 1966) sowie Pfaffenberger und
Ginsburg (Mitt. zitiert in Little 176). Die Farbfaktoren müssen ein System
bilden, das ihre Dominanzverhältnisse innerhalb der Allelreihen sowie die Epistasiebeziehungen
zwischen nichtallelen Faktoren beinhaltet. Vor allem ist die richtige Zuordnung
zu Allelreihen wichtig.
Das Dilemma liegt nun darin, dass immer dann, wenn eine Theorie zu
einem schlüssigen System gelangt war, mit dem alle bisherigen Erfahrungen
erklärt werden konnten, neue Beobachtungen zu Widersprüchen führten. Das Schema
ist meist folgendes: Es tritt ein bekanntes Farbmuster bei Welpen
andersfarbiger Eltern auf, wobei der verantwortliche Faktor nach den bisherigen
Vorstellungen epistatisch oder dominant über die übrigen in den Eltern
vorhandenen Farbfaktoren sein sollte. Zu solchen Beispielen, die von BURNS und
FRASER (1966) in bezug auf das gebräuchlichste System von LITTLE (1976)
diskutiert werden, fand ich gleich zwei weitere bei RÄBER (1980), der
bemerkenswerte Erbgänge der Farbvererbung aus der Rassenentwicklung der Großer
Schweizer Sennenhunde und Bernhardiner anführt. Inzwischen sind die
Vorstellungen über die Vererbung der Grundfarben und die gegenseitige
Beeinflussung der zugehörigen Faktoren sehr in Fluss geraten. Bei vielen
Wechselbeziehungen zwischen den Faktoren herrscht Unsicherheit darüber, ob in
bestimmten Fällen der Einfluss des einen oder des anderen Faktors überwiegt.
Selbst das Dominanzverhalten innerhalb von Allelreihen, das als ziemlich
gesichert galt, wird in dem Moment fraglich, wo die Zugehörigkeit von Faktoren
zu derselben Serie in Zweifel gezogen wird. Aus all den genannten Gründen
heraus wurde der Versuch unternommen, das bestehende Faktorenschema zu
revidieren. Es kam dabei wesentlich darauf an, zusammengehörige
Farbverteilungsmuster und Gesamtheiten der physiologischen Wirkungen zu
erkennen. Wesentliche Denkanstösse lieferten die Informationen, die aus
SCHLEIFENBAUM (1976a, b) über die Aufspaltung der Grundfarben in der
F2-Generation von Wolf x Pudel-Kreuzungen zu entnehmen waren. Vor allem aber
lieferten eigene Experimente über die Vererbung von Farbmustern bei Kaninchen
Methoden dafür, wie sich entsprechende Beobachtungen bei Hundefarben
interpretieren lassen.
Die Hauptfaktoren der Grundfärbung beim Hund
Für die Farbfaktoren bei Hunden haben sich die folgenden angegebenen Buchstabensymbole eingebürgert, wie sie von LITTLE (1976) angegeben werden. In den Fällen, wo eine Umstellung von Faktoren in eine andere Allelreihe nötig erschien, wurde das Symbol aus LITTLE zunächst in Klammern gesetzt. LITTLE unterscheidet zwei Serien, von denen er die erste "Ausdehnungsserie" in bezug auf das schwarze Pigment nennt. Dafür gibt er die Dominanzverhältnisse entsprechend der nachstehenden Tabelle an, in der jeder Faktor dominant über die darunterstehenden ist.
| Em | Schwarzmaskenfaktor |
| E | Schwarzausdehnungsfaktor |
| ebr | Faktor für die Streifung (bei "gestromten" Hunden) |
| e< | Faktor, der statt schwarz Lohfärbung erzeugt |
Von diesen Faktoren ist lediglich der Streifungsfaktor noch etwas
fraglich; so vermutet L. F. WHITNEY (1948), dass die Streifung auf einem
unabhängigen dominanten Gen beruht, dessen Wirkung jedoch nicht ohne weiteres
bei einfarbig schwarzen Hunden wahrgenommen wird.
Alle übrigen Gene wurden in ILJINS ursprünglicher Wildfarbigkeits-
oder Agutiserie untergebracht:
| A | Dominantschwarzfaktor |
| aw | Wildfarbigkeitsfaktor |
| ay | Faktor für Lohfärbung (zobelfarben) |
| as | Faktor für schwarze Sattelzeichnung |
| (at) | Zweifarbigkeitsfaktor (schwarz mit Lohabzeichen) |
Diese Reihe wird am unteren Ende durch einen Faktor für einfarbig
schwarz ergänzt. Dies wurde notwendig aufgrund von Untersuchungen, die von
WILLIS, PFAFFENBERGER und GINSBURG (oben zitiert) an Deutschen Schaeferhunden
durchgeführt wurden.
(ab) = Rezessivschwarzfaktor
In dieser Serie liegen noch Widersprüche begründet, für die es
eine Notlösung gibt, wenn zu mehreren Farbmustern je ein rezessives und ein
dominantes Gen angenommen werden, z. B. außer at zusätzlich At
(ILJIN 1931a,1931b). Ein anderer Weg wird von PALAMOUR (1959), L. F. WHITNEY (1948) und
WINGE (1946) beschritten, die zur Erklärung der Zweifarbigkeit ein unabhängiges
Gen annehmen. Sogar der Gedanke einer dritten Allelreihe, die den
Zweifarbigkeitsfaktor enthält, fand in den entsprechenden Theorien Eingang.
Auch der hier vorgestellte Ansatz sieht eine Zweifarbigkeitsserie
vor. Ihre Faktoren sollen das Buchstabensymbol G bzw. g tragen, da weitgehende
Parallelen zu einer entsprechenden Allelreihe aufgezeigt werden können, die von
NACHTSHEIM und STENGEL (1977) für die Farbvererbung beim Kaninchen benutzt
wird. Leider ist der Buchstabe G bei LITTLE (1976) bereits für ein Gen, das die
im Alter zunehmende Graufärbung (z. B. bei Kerry Blue Terriern) bewirkt,
vergeben. Der Vergleich zwischen Hunde- und Kaninchenfarbvererbung wird sich
jedoch verständlicher durchführen lassen, wenn hier G im Sinne der
Zweifarbigkeitsserie gebraucht wird.
Als Hauptdominanzfaktor in der Zweifarbigkeits-Allelreihe wird G
eingeführt. Er konnte von früheren Autoren deswegen nicht gefunden werden, da
bei den bisherigen Denkmodellen die Faktoren A, aw und ay
immer die Qualitäten von G mit enthielten. Fortan wird der reinen Agutiserie im
wesentlichen eine Wirkung auf das Ausmaß der Schwarzringelung der Haare
zugeschrieben, indem aw den Normalfall mit ausgeprägtem Wechsel zwischen lohfarbenen und
schwarzen Zonen darstellt, während sich bei A die schwarzen Ringe bis zur
Berührung ausbreiten; dagegen treten diese in dem anderen Extremfall von ay
kaum mehr in Erscheinung. Als Agutiserie bleibt demnach nur folgender Rest übrig:
| A | Ausdehnung der schwarzen Haarringe |
| aw | schwarz-gelbe Haarringelung wie bei der Wildfarbe |
| ay | Reduzierung der schwarzen Haarringe |
In der Zweifarbigkeitsserie schließen sich an G die bereits bekannten Faktoren gs = (as), gt = (at) und g = (ab) an, deren Wirkung eine lineare Abstufung zeigen. Bei gs treten gegenüber G dunkle Bezirke auf, von denen der Rückensattel am auffälligsten ist. Diese Entwicklung ist bei gt so weit fortgeschritten, dass nur noch die sogenannten Lohabzeichen als helle Bereiche übrig geblieben sind und sich gegenüber einer schwarzen Umgebung abheben. Die Fähigkeit zur Bildung des lohfarbenen Zeichnungsmusters ist sicherlich bereits in G mit enthalten, da dieser Faktor als derjenige mit dem vollständigsten genetischen Informationsinhalt innerhalb dieser Allelreihe angesehen wird. Die Beobachtung lehrt, dass tatsächlich bei wildfarbenen Tieren ein entsprechendes sehr helles Muster zu erkennen ist. Am Ende der Allelreihe steht g, bei dem kein helles Zeichnungsmuster mehr auftritt. Die Zweifarbigkeitsserie lautet demnach:
| G | Faktor für Zeichnungsmuster der Wildfarbe |
| gs | Faktor für Zeichnungsmuster der Wildfarbe mit schwarzer Sattelzeichnung |
| gt | Zweifarbigkeitsfaktor |
| g | Rezessivschwarzfaktor |
Wir haben also die alte Agutiserie in zwei Allelreihen aufgeteilt,
die nun jede für sich mit einer physiologischen Hauptwirkung verknüpft werden
kann, die sich innerhalb ihrer Reihe quantitativ monoton verändert.
Die Rolle der Faktoren der Ausdehungsserie wurde von LITTLE (1976)
so dargestellt, dass diese entscheiden, in welchem Masse der schwarze Farbstoff
überhaupt gebildet werden kann. Der normal in der Wildform vorkommende Faktor
ist E, der die Schwarzausfärbung zulässt, während bei doppeltem Vorkommen von
rezessivem e grob gesagt kein schwarzes Pigment entwickelt wird. Die
Einzelheiten müssen später noch genauer diskutiert werden, insbesondere ob die
Wirkung von e durch A aufgehoben wird oder nicht.
Das unregelmässige Streifungsmuster der Stromung wird ebrzugeschrieben.
Es tritt auf allen lohfarbenen Fellpartien bereits dann auf, wenn ebr einfach
vorhanden ist, z. B. auch bei einem lohfarbenen Tier mit dem Genotyp Eebrayay. Wenn
ebrals Faktor der
Ausdehnungsserie aufgefasst wird, sollte man sich ganz abgesehen von seiner
besonderen Funktion der Streifenbildung hauptsächlich danach fragen, wie seine
grundsätzliche Wirkung im Sinne der möglichen Schwarzausdehnung ist. Eine
teilweise Lösung gibt uns LITTLE (1976), indem er schwarze Hunde mit der
Erbformel ebreAsay erzeugte. Also
wirkt ebrin Gegenwart von A ebenso wie E. Möglicherweise ist jedoch für die
Schwarzausfärbung gar kein Ausdehnungsfaktor mehr nötig, wenn A vorhanden ist.
Ohne A bewirkt ebr abgesehen vom dunkler Streifungsmuster vermutlich ebenso wie e
eine Lohfärbung.
Der am schwierigsten zu verstehende Faktor in der Ausdehnungsreihe
ist der Schwarzmaskenfaktor Em, der ebenso wie ebr bei Anwesenheit von A die Ausdehnung von
Schwarz gestattet. Ebenso wie ebrerzeugt er über die Wirkung von E
hinausgehend ein dunkles Zeichnungsmuster. Es genügt dazu das einzelne Gen. Im
Gegensatz zu ebr ist
dieses Muster nicht unregelmäßig; doch die wohldefinierte Form der
Maskenbildung scheint nicht im genetischen Code des Maskenfaktors selbst
festgelegt zu sein, sondern auf anderweitig bestimmten Verhältnissen zu
beruhen. Darauf soll später noch genauer eingegangen werden. An dieser Stelle
genügt die Feststellung, das durch ebr und Em auf sonst lohfarbenen
Fellbereichen dunkle Zeichnungsmuster erzeugt werden. Em und
ebr sind in ihren
besonderen Qualitäten gegenseitig dominant, folglich hängt ihre Stellung
innerhalb einer geschriebenen Dominanzreihe vom jeweiligen Gesichtspunkt ab.
Viel wichtiger als die Vererbung der dunklen Zeichnungen ist jedoch die
Erzeugung der Lohfarbe, wobei für Em die gleichen Verhältnisse wie bei e und
ebr zu gelten
scheinen. Um die prinzipielle Ähnlichkeit der drei Faktoren herauszustellen,
ziehen wir das Symbol em anstelle von Em
vor. Die Ausdehnungsserie erhielte dann folgende Form:
E
ebr, em
e
Die Hauptfaktoren der Grundfärbung beim Kaninchen
Um die Farbvererbung der Hunde und Kaninchen miteinander vergleichen zu können, müssen wir auch die Farbfaktoren des Kaninchens vorstellen, für die z. T. ganz andere Bezeichnungen gelten. Wir folgen dabei NACHTSHEIM und STENGEL (1977). Sie beschrieben zwei für die Grundfärbung verantwortliche Allelreihen, die der Ausdehnungs- und Zweifarbigkeitsserie entsprechen. Von der Allelreihe mit dem Symbol G, die in dieser Arbeit überhaupt erst von den Kaninchengenetik übernommen ist, war bereits die Rede. Darin entsprechen sich:
| GHund | ------------ | GKaninchen |
| gtHund | ------------ | goKaninchen |
| gHund | ------------ | gKaninchen |
Als zweite Allelreihe wurde eine Serie mit dem Symbol B aufgestellt, deren Hauptfunktion der Ausdehnungsserie entspricht. Nach NACHTSHEIM und STENGEL (1977) herrscht folgende Dominanzfolge:
| Bee | Dunkeleisenschwarzfaktor |
| Be | Eisenschwarzfaktor |
| B | Schwarzausdehnungsfaktor |
| bj | Japanerfaktor |
| b | Thüringerfaktor |
| b | Faktor, der statt schwarz Lohfärbung erzeugt |
Aus dem Verhalten der Faktoren ergeben sich ohne weiteres die Entsprechungen:
| EHund | ------------ | BKaninchen |
| eHund | ------------ | bKaninchen |
Als nächstes lässt sich der Faktor des Japanerkaninchens dem Streifungsfaktor zuordnen:
| ebrHund | ------------ | BjKaninchen |
Der entsprechende Faktor bewirkt beim Kaninchen in gleicher Weise
wie beim Hund bei hellgefärbten Tieren eine dunkle, unregelmäßige am Rumpf
querverlaufende Streifung, wenn er den normalen Faktor für Schwarzausdehnung
wenigstens einmal ersetzt. In bezug auf die Bereiche zwischen den dunkleren
Streifen verhält sich bj wie b, verhindert also als rezessives Gen die Schwarzfärbung,
sodass dort lohfarbene oder weiße Streifen entstehen.
Bei der Färbung des Thüringerkaninchens handelt es sich ebenfalls
um eine lohfarbene Grundfärbung mit dunkler Zeichnung. Sie ist regelmäßig und
dehnt sich hauptsächlich im Kopfbereich und an den Extremitäten aus. Man kann
darin eine Maskenfärbung erblicken und sie versuchsweise mit derjenigen des
Hundes korrelieren. Die Übereinstimmung besteht auch darin, dass bereits der
einfach vorhandene Faktor das dunkle Muster hervorrufen kann. Weil die helleren
Gebiete vom Thüringerfaktor ebenso bestimmt werden wie vom Faktor b für
einheitliche Lohfärbung, wurde von NACHTSHEIM gar kein Unterschied im Symbol
gemacht. Der Deutlichkeit halber wollen wir jedoch bth einführen.
| emHund | ------------ | bthKaninchen |
Schließlich stellt NACHTSHEIM noch die Faktore Be und Bee ans obere Ende
der Allelserie. Sie bewirken in doppelter Ausführung Schwarzfärbung, die jedoch
stellenweise eine Ringelung der Haare erkennen lässt. Bei Kreuzungen mit
wildgrauen Kaninchen verhält sich der Faktor intermediär, wobei mit Bee
(dunkeleisengrau) ein dunkleres Fell entsteht als mit Be (eisengrau).
Wenn wir nach einem entsprechenden Faktor für Bee und Be beim Hund
suchen, finden wir keinen in der Ausdehnungsserie. Dagegen lassen sich durchaus
Parallelen zum A (dominant schwarz) der Agutiserie erblicken. In beiden Fällen
haben sich die schwarzen Zonen geringelter Haare ausgedehnt. Im übrigen lassen
sich auch wildfarbene Kaninchen feststellen, die hauptsächlich lohfarben
gefärbt sind und nur noch eine reduzierte dunkle Haarringelung aufweisen. Auf
alle Fälle muss mit einer Agutiserie (in bezug auf die Haarringelung) gerechnet
werden, die allerdings zur genetischen Beschreibung der standardmäßig
eingeführten Kaninchenrassen nur eine untergeordnete Bedeutung haben wird. Für
Agutiserien soll der Buchstabe A reserviert werden, was allerdings schon wieder
zur Kollision führt, da A von NACHTSHEIM für die Albinoserie der Kaninchen
benutzt wird. Nach kritischer Betrachtung verbleibt für Kaninchen als
gesicherter Teil eine ganz analoge Ausdehnungsserie wie für Hunde:
B
bj, bth
b
Die Agutiserie der Kaninchen würde dann wahrscheinlich Bee und Be
aufnehmen, die in Aee und Ae umzubenennen sind.
| aeeHund | ------------ | aeeKaninchen AeKaninchen |
| awHund | ------------ | awKaninchen |
| ayHund | ------------ | ayKaninchen |
Eine Übersicht über die drei Allelreihen bei Hund und Kaninchen wird durch Tab. 1 gegeben.
Tabelle 1. Erbfaktoren für die Grundfärbung von Hund und Kaninchen
| Hund | Kaninchen | ||
| Ausdehnungsserie | |||
| E | Schwarzausdehnungsfaktor | B | |
| ebr | Streifungsfaktor | | Japanerfaktor | bj |
| em | Maskenfaktor | | Thüringerfaktor | bth |
| e | Lohfaktor | b | |
Agutiserie | |||
| A | Dominantschwarzfaktor | | Dunkeleisenschwarzfaktor | Eisenschwarzfaktor | Aee Ae |
| aw | wildfarbiger Haarringelungsfaktor | aw | |
| ay | lohfarbiger Haarringelungsfaktor | ay | |
Zweifarbigkeitsserie | |||
| G | Faktor für Körperzeichnungsmuster der Wildfarbe | G | |
| gs | Faktor für Körperzeichnungsmuster der Wildfarbe mit dunkler Sattelzeichnung | | | | | |
| gt | Faktor für Zweifarbigkeit (schwarz mit Lohabzeichen) | go | |
| g | Rezessivschwarzfaktor | g | |
Zusammenwirken der Farbfaktoren bei der Ausbildung der phänotypischen Grundfärbungen
Nachdem die benötigten Farbfaktoren einschließlich Dominanzverhältnissen innerhalb der Allelreihen geklärt sind, besteht die verbleibende Aufgabe in der Aufdeckung der Epistasiebeziehungen, die sich annäherungsweise aus der Wirkungsweise der einzelnen Faktoren vermuten lassen. Die genauen Einzelheiten ergeben sich zum größten Teil aus Analysen der verfügbaren Zuchtexperimente. Dabei so vorgegangen werden, dass zunächst der normale Ausdehnungsfaktor E (bzw. B beim Kaninchen) festgehalten wird.
Nach RÄBER (1980) sollte die systematische Untersuchung der Fellfarbenvererbung grundsätzlich von der Wildfärbung ausgehen. Für sie nehmen wir an, dass die normalen, nicht mutierten Faktoren E, aw und G zusammentreffen.
| EEawawGG | Wildfärbung beim Hund |
| BBawawGG | Wildfärbung beim Kaninchen |
Ein Ersatz von aw durch ay bewirkt
lediglich eine Reduzierung der schwarzen Haarringelung, sodass eine schlichtere
Lohfärbung erscheint. Prinzipiell sollten dieselben Beziehungen zu anderen
Faktoren gelten.
Als nächstes interessiert das Zustandekommen einer einheitlichen
Schwarzfärbung. Die größte Pigmentintensität wird mit folgendem Genotyp
verknüpft sein:
| EEAAgg | intensiv schwarz |
Von der Kaninchenvererbung wissen wir, dass aber schon folgende Kombinationen zur Schwarzfärbung ausreichen:
| EEawawgg | Alaskakaninchen |
| BBAeAeGG | eisenschwarz |
Die Epistasie von Ae über G ist jedoch nicht ganz vollständig, wie aus folgendem Phänotyp mit bekannter Erbformel hervorgeht:
| BBAeawGG | eisengrau (verdunkelte Wildfarbe) |
Nun wieder zu den Verhältnissen bei Hunden. Der Typ des Alaskakaninchens dürfte dem beschriebenen rezessiven schwarz beim Deutschen Schäferhund entsprechen.
| EEawawgg | rezessiv schwarz |
Außerdem ist bekannt, dass die Kreuzung intensiv schwarz x lohfarben immer schwarz ergibt:
| EAayGg | schwarz |
Außer +/- einheitlicher Hellfärbung (Loh- und Wildfarbe) und Schwarzfärbung lassen sich am natürlichen Objekt alle Übergänge beobachten von hell mit schwarz überlaufenem Rücken bis zu schwarz mit angedeuteter heller Haarringelung. Interessanterweise setzt sich sehr häufig das Zweifarbigkeitsmuster durch, das in seiner schönsten, klar begrenzten Form als "black and tan"; dem folgenden Genotyp zugeordnet wird:
| EEayaygtgt | black and tan |
Für die erwähnten Übergangsformen liefert die Theorie von Little
allein mit der A-Reihe keine Erklärungsmöglichkeiten, da außer den in ihren
Wirkungen festgelegten Genotypen keine weiteren mehr vorhanden sind. Dagegen
ergibt eine Zweilocushypothese mit A- und G-Reihe die noch nicht diskutierten
zusätzlichen Genotypen AawGG, AawGgt und Aaw
gtgt. Wenn ähnliche
Verhältnisse wie bei den Kaninchen vorliegen, sind dunklere Tiere mit hellen
Zeichnungsmerkmalen zu erwarten, die also wie das "black and tan-Muster zweifarbig
sind und nicht unbedingt von dem durch EEayaygtgt
hervorgerufenen Typ unterschieden werden können. Selbstverständlich sind die
Vererbungsmodi unterschiedlich.
TABELLE 2 als PDF zum Herunterladen
TABELLE 3 als PDF zum Herunterladen
Die erwähnte Zweifarbigkeit trat bei den Kieler Pudel x
Wolf-Kreuzungen in der 2. Nachzuchtgeneration auf, ohne dass bei den
Ausgangswölfen und mit Sicherheit nicht bei der benutzten Pudellinie mit den g
t-Faktor zu
rechnen ist. Selbst wenn wir annehmen, dass der Wolfpartner diesen Faktor
trägt, so ist es nach der Einlocushypothese möglich, dass die 2. Generation in
die drei Phänotypen schwarz, wildfarbig, zweifarbig aufspaltet. Dasselbe gilt
übrigens für die Beobachtungen von PARAMOURE (1959), nach denen aus schwarzen
Zwergschnauzern sowohl pfeffer- und salzfarbene (die wildfarbigen entsprechen),
als auch zweifarbige Welpen hervorgingen. Ein weiteres Beispiel führt BURNS in
BURNS und FRASER (1966) an, in dem ein zweifarbiger Border Collie nach einem
Rüden mit schwarzer Grundfärbung Welpen mit den Farben schwarz, zweifarbig und
einheitlich lohfarben warf. In allen erwähnten Fällen liegen diskriminierende
Paarungen zugrunde (Paarung Nr. 2 in Tab. 3, Paarungen Nr. 6, 7 sowie EEAay
Gg x EEayaygtgt spaltet auf in
1 schwarz:2 zweifarbig:1 lohfarben). Die entsprechenden Paarungen nach der
Einlocushypothese erzeugen jeweils zwei Phänotypen.
Nachdem gezeigt wurde, dass die Zweilocushypothese in bisherigen
Problemfällen eine qualitative Erklärungsmöglichkeit bietet, sollen die
zahlenmäßigen Aufspaltungsverhältnisse von kritischen Versuchspaarungen mit den
Voraussagen nach beiden Hypothesen verglichen werden. Für Paarungen von Hunden
unter sich muss auf das Material von LITTLE zurückgegriffen werden, das mit
seiner Hypothese in hervorragendem Einklang steht, da er ja gerade hieraus die
Stellung seiner Faktoren innerhalb der A-Reihe abgeleitet hat. In Tab. 2 wurden
die Daten von LITTLE (1976, Tab. 5) für beide Hypothesen mit Hilfe desχ-Tests ausgewertet. Die nach den
Vorstellungen der Zweilocushypothese zu erwartenden Phänotypen wurden explizit
aufgeführt, um zu zeigen, dass ein wesentliches Problem bei derartigen
Versuchen in der Zuordnung der Zuchtprodukte zu den durch die verschiedenen
Hypothesen vergebenen Farbgruppen besteht. Obwohl die Daten in einer Form
vorliegen, die auf die Einlocushypothese zugeschnitten ist, ließen sie sich
ohne Schwierigkeiten für eine Zweifaktorenanalyse verwenden. Das die Tabelle
auch unkritische Paarungen enthält, stimmen die Ergebnisse für beide Hypothesen
vielfach überein. Sonst sind die Wahrscheinlichkeitswerte der
Zweilocushypothese in der Gesamtbetrachtung besser. Besonders der Unterschied
der Paarung Nr. 10 spricht mehr für die Zweilocushypothese.
Besonders wertvoll erwiesen sich die Informationen über die
mehrfach erwähnten Kieler Pudel x Wolf- und Pudel x Schakal-Kreuzungen, das die
entstandene Typenfülle zu eingehenden Untersuchungen und genauer Dokumentation
anregte (SCHLEIFENBAUM 1976a, b; HERRE und RÖHRS 1973). In Tab. 3 wird eine
Analyse des Materials mit wohldefinierten Farbfaktoren vorgestellt. Außerdem
sind die klassischen Daten von ILJIN bezüglich der Moskauer Hund x
Wolf-Kreuzungen ausgewertet. Stammmutter war eine schwarze Schäfermischlingshündin.
Auch ILJIN machte zu seiner Tabelle (1941, Tab. 2) Angaben über
Typenvariationen, die sich erst mit Hilfe der Zweilocushypothese verwerten
lassen. So ist es möglich, rückwirkend den Genotypus der Ausgangshündin
zweifelsfrei zu bestimmen. Um überhaupt eine Faktorenanalyse nach der
Einlocushypothese durchführen zu können, mussten die beobachteten Phänotypen
recht gewaltsam in die Gruppen +/- schwarz, +/- wildfarbig und
"black and tan" aufgeteilt werden. Da sich ILJIN (1931a, b, 1932,
1941) mit unterschiedlichen Ausbildungen des Zweifarbigkeitsmusters ausführlich
beschäftigt hatte, wird seine Vermutung stimmen, dass der von ihm ausgesonderte
"black and tan"-Typ identisch ist mit dem, der auf EEaagtgt beruht.
Für die Moskauer Versuche kann die Einlocustheorie überhaupt nur in einer Weise
angewandt werden, dass der Ausgangswolf als Träger von at angenommen wird, was
zumindest unwahrscheinlich ist.
Die in Tab. 3 dargelegte statistische Analyse ergab eine gute bis
sehr gute Übereinstimmung der Aufspaltungsergebnisse mit der
Zweilocushypothese. Abgesehen von den erwähnten übrigen Mängeln ergaben sich
für die Annahme nur einer Allelreihe viel schlechtere Vereinbarkeit mit den
Versuchsergebnissen.
2. Teil: Kombination mit anderen Faktoren der Ausdehnungsserie
Nach den Angaben von LITTLE (1976) scheinen sich die Faktoren e
auf der einen Seite und ebr sowie e
m auf der anderen Seite (jeweils in doppelter Anwesenheit)
unterschiedlich gegenüber A zu verhalten. Durch ee soll in jedem Fall jegliche
Bildung von schwarzem Pigment verhindert werden. Darauf beruht auch seine
Unterscheidung von ee-Tieren (gelb ohne ein schwarzes Haar) vom Phänotypus mit
EayayG (zobelfarben
mit Spuren von schwarz). Dagegen soll sich die Kombination emem
A bzw. ebrebrA hinsichtlich
der Ausdehnung von schwarz so verhalten, als ob E vorhanden wäre, wobei
natürlich noch die spezifischen dunklen Zeichnungsmuster hinzukommen können.
Als neuer Aspekt ergibt sich aus dem vorgeschlagenen triallelen
Erbgang die Frage nach der Wechselwirkung zwischen den rezessiven Faktoren der
Ausdehnungsserie und dem G-Locus. An dieser Stelle ist wieder ein Seitenblick
auf die Farbvererbung der Kaninchen angebracht; denn die Grundaussagen der
Kaninchengenetik von Nachtsheim konzentrieren sich gerade auf die dortige B-
und G-Reihe. All das, was im nun Anschließenden für Hunde noch ungewohnt ist,
bildet die Basis aller züchterischen Überlegungen bei Kaninchen.
Der wichtigste Zusammenhang liegt nun darin, dass bei Abwesenheit
von E (bzw. B) und A (Ae, Aee die rezessiven Faktoren der
Zweifarbigkeitsserie gs, gt und g
überdeckt werden, so dass in jedem Falle helle Tiere entstehen, soweit wir von
den spezifischen dunklen Zeichnungselementen der Faktoren ebr (bj
) und em (bth) absehen. Bei
Kaninchen ist durchaus ein phänotypischer Unterschied zu erkenne, je nachdem,
ob G vorhanden ist oder ob es sich um reine gg-Tiere handelt.
| bbawawGG | Rotes Neuseeländer-Kaninchen (rot mit helleren Zeichnungselementen |
| bbwwawgg | Sachsengoldkaninchen (einheitlich rot) |
| bjbjawawG | Japaner Kaninchen (schwarz gelb gestreift mit weißen Zeichnungelementen |
| bjbjawawgg | Japaner Kaninchen (schwarz gelb gestreift) |
In dieser Reihe fehlten bisher Angaben über den wechselseitigen Einfluss des Maskenfaktors em (bth und des Wildfarbigkeitsfaktors G. Das Problem ist insofern besonders interessant, als beide Faktoren bestrebt sind, ein Zeichnungsmuster hervorzubringen, das sich mit entgegengesetztem Pigmentierungsunterschied von der Umgebung abhebt und im Gegensatz zur Stromung fasst genau dieselben Areale erfasst. Durch Züchtungsversuche mit Thüringer und Roten Neuseeländer Kaninchen fand ich eine vollkommene Epistasie von G über bth. Bei den Experimenten waren folgende Typen beteiligt:
| bthbthawawgg | x | bbawawGg |
| Thüringer Kaninchen rot mit dunkler Maske | rot mit hellen Abzeichen | |
| Nachzuchtgeneration: | ||
| bthbawawgg | bthbawawGg | |
| rot mit dunkler Maske | rot mit hellen Abzeichen | |
Wenn man die dargelegten Beziehungen zwischen Ausdehnungs- und
Zweifarbigkeitsserie auf Hunde überträgt, lässt sich auch der Rest von bisher
unerklärlichen Züchtungsergebnissen deuten. Dazu gehört die von RÄBER (1980)
angegebene Aufspaltung von schwarz aus Bernhardinern (lohfarben mit Maske)
sowie von lohfarben mit Maske aus Grossen Schweizer Sennenhunden (black and
tan). Analoge Beispiele können aus Tab. 4
TABELLE 4 als PDF-Datei zum Herunterladen
entnommen werden, die eine Auswertung phänotypischer Paarungen innerhalb
verschiedener Rassen darstellt. Es handelt sich dabei je nach Betrachtungsweise
um den Hardy-Weinberg-Gleichgewichtstest oder um einen Test der hypothetischen
Erbgänge. Wenn man die errechnete Gesamtwahrscheinlichkeit als Produkt der
Wahrscheinlichkeiten der Einzelvoraussetzungen annimmt, kann der Vererbungsmodus
als gesichert angenommen werden. Interessanterweise erscheint in den fünf
untersuchten Rassen der "Dominantschwarzfaktor" A für den schwarzen
Farbschlag keine Rolle zu spielen.
Für den Einfluss der G-Serie auf die sehr variable Intensität der
Stromungs- und Maskenzeichnung liegen bereits Hinweise vor. So erwähnt LITTLE
(1976) Befunde von PFAFFENBERGER und GINSBURG nach denen bei Deutschen
Schäferhunden nachweislich der "Rezessivschwarzfaktor" g (ab) die
Entwicklung der dunklen Maske fördert. Die Häufigkeit eine fast schwarzen
Stromung bei Boston und Scotch Terriern lässt sich mit der in Tab. 4
errechneten Frequenz von g in den betreffenden Rassen erklären, die das
Auftreten von vielen ebrebrayay
gg-Tieren zur Folge hat.
Schlussbemerkungen
Dadurch, dass die bereits bekannten Farbfaktoren in ein trialleles
Schema gebracht wurden, gelang es, alle bisher problematischen Vererbungsfälle
bei Hunden zu lösen und generell die Aufspaltungsverhältnisse besser
vorauszusagen. Außerdem lässt sich die Vielfalt der beobachteten Phänotypen mit
der größeren Anzahl an Kombinationsmöglichkeiten von jeweils 6 Faktoren
erklären. Auf diese Weise gelang auch die genetischen Analyse von Hund x Wolf-
und Hund x Schakal-Kreuzungen.
Von allgemeinem biologischem Interesse ist die Feststellung einer
weitergehenden Übereinstimmung der Farbvererbung nicht nur zwischen nah
verwandten Arten wie Canis lupus (Hund?, Wolf) und Canis aureus (Schakal),
sondern sogar zwischen Vertretern entfernt stehenden Gruppen wie der Caniden
und Lagomorpha. Damit entfällt eines der Hauptgegenbeispiele, das KOSSWIG
(1969) in der Kontroverse um sogenannte homologe Gene SEARLE (1968)
entgegenhält. Es scheint sich vielmehr anzudeuten, dass die in der
Säugetierklasse weitverbreitete graue Wildfarbe mit ihrer Haarbänderung und
gewissen helleren und dunkleren Zeichnungsmustern ein allgemeines Erbe
darstellt, das im wesentlichen auf drei homologen Allelreihen beruht. Als
wesentliches Kriterium für die Homologie von Genen wird nicht mehr die gleiche
Manifestation bei verschiedenen Arten (z. B. Erzeugung von "black and
tan"; beim Hund und schwarzloh beim Kaninchen) angesehen, sondern die
Stellung der Faktoren innerhalb einer möglichst umfangreichen, im gesamten
Wirkgefüge bekannten Allelreihe.
Innerhalb der Gattung Canis sollte erst recht gelten, dass man die
Wildfärbung und deren behandelte Abwandlungen auf homologe Gene zurückführen
darf. Damit dürfte die Möglichkeit entfallen, die Frage der Abstammung des
Hundes mit Hilfe der Farbvererbung lösen zu können.
Zusammenfassung
Mit dem weitgehend
anerkannten diallelen Faktorenschema für die Grundfärbung bei Hunden von LITTLE
(1976) lassen sich einige Erbgänge nicht erklären. Außerdem widersetzten sich
bisher die Ergebnisse von Hund x Wolf- und Hund x Schakal-Kreuzungen (SCHLEIFENBAUM
1976a, b; ILJIN 1941) einer genetischen Analyse nach Erbfaktoren. Parallel zu
den vorhandenen Informationen über die Farbvererbung bei Canis gingen die
genetischen Verhältnisse bei Kaninchen in die Überlegungen ein. Als Grundlage
diente die Darstellung von NACHTSHEIM und STENGEL (1977), die ebenfalls zwei
Allelreihen aufgestellt haben. Durch eigene Zuchtexperimente ließen sich
zusätzlich bestimmte Epistasiebeziehungen des Maskenfaktors von
Thüringerkaninchen zu anderen Faktoren erklären.
Als Ergebnis von
vergleichenden Betrachtungen der phänotypischen Auswirkungen der Einzelfaktoren
in Kombination mit sämtlichen anderen ergab sich eine vollständige Parallelität
bei den betrachteten Tierarten. Der Blick wurde bislang nur dadurch verstellt,
dass die aufgestellten Allelreihen sowohl beim Hund als auch beim Kaninchen in
verschiedener Weise heterogene Anteile enthalten, die in Wirklichkeit eine
dritte Serie bilden. Nach Umgruppierung ergab sich ein gemeinsames trialleles
Schema, das die Lösung für alle Erbgänge bezüglich der Grundfärbung beinhaltet.
Summary
Using the widely accepted theory of LITTLE (1976), which explains the
basic colour of dogs with two series of allels, some paths of inheritance lead
to confusion. Also, up to now the results of dog x wolf as well as dog x jackal
matings (SCHLEIFENBAUM 1976a, b; ILJIN 1941) withstood genetic analysis of the
basis of colour factors. On the other hand information about colour inheritance
in rabbits is of interest. This is described by NACHTSHEIM and STENGEL (1977),
whoe established two series of allels. Furthermore breeding experiments were
undertaken for investigating the modes of epistasis between the mask factors of
the Thueringer rabbit and other colour factors.
Investigations of effects of colour factors interacting with one another
showed an astonishing parallelism between both animal genera. This couln't be
seen before, because the two allele series in dogs and rabbits carried parts
which in reality belong to a third serie. After new arrangement we got a
triallel scheme fitting for dogs and rabbits as well, which is better for
explaining all known paths of basic colour inheritance.
Résumé
En utilisant la théorielargement acceptée de LITTLE (1976), expliquant la
couleur de base des chiens avec deux séries d´allèles, queques lignées donnent
lieu á confusion. En outre, les résultats des croisements de chien x loup et
chien x chacal (SCHLEIFENBAUM 1976a, b; ILJIN 1941) s´opposent jusqu´ á
présent d´une analyse génétique des facteurs de couleur.
D´autre part, nous étions intéressés aux informations au sujet de
l´hérédité de la couleur des lapins. Ce thème est fondamentalement décrit par
NACHTSHEIM et STENGEL (1977), lesquels ont établis également deux séries
d´allèles. En outre, nous entreprenions des expériences d´élevage pour
distiguer les relations d´épistasie entre le facteur de masque des lapins
Thüringer et d´autres facteurs de couleur.
Comme résultat des observations comparatives des effets phénotypiques des
facteurs isolés en combinaison avec tout les autres, résultait un parallélisme
complet chez les espèces animales observées. Ceci ne fut pas remarqué
auaparavant du fait que les deux séries d´allèles contiennent, non seulement
chez le chien mais aussi chez le lapin, der parts hétérogènes de différentes
manière, formants en réalité und troisième série d´allèles. Après regroupement
résultait und schéma triallèle comprenant la solution de toute hérédité
relative à la couleur de base.
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